Series VI Band 4 · No. 430.

Aus und zu Friedrich von Spee, Güldenes Tugend-buch

[Mai 1677 bis August 1697 (?)]

German

 [Mai 1677 bis August 1697 (?)]

gekannt und hoch geschätzt (IV, 1 N. 43, S. 534). Kurfürst Johann Friedrich hatte ihm, wie er in einem Brief an Andreas Morell (20. Dezember 1696, I, 13 N. 259, S. 398 f.; vgl. ferner den Brief an Kurfürstin Sophie von Mitte August (?) 1697, I, 14 N. 26, S. 59) angibt, sein eigenes Exemplar für die Lektüre zur Verfügung gestellt. Die Wertschätzung kommt in verschiedenen Perioden seines Schaffens zum Ausdruck, so im Mai 1677 in einer allgemeinen Beurteilung (N. 430₁), deren sorgfältige rhetorische Ausarbeitung auf einen größeren Rezipientenkreis hinweisen könnte. In diesem Zusammenhang könnte auch die kurze Notiz zu Spees Stil (N. 430₂) entstanden sein, für deren Datierung zwar keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen, die jedoch inhaltliche Parallelen nicht nur in N. 430₁ besitzt, sondern auch viel später etwa in Briefen an Herzog Rudolf August (19. Mai 1693, I, 9 N. 34, S. 42) und den bereits genannten an Andreas Morell und Kurfürstin Sophie wieder anklingt.

Bei N. 430₃ handelt es sich um eine von Leibniz angefertigte französische Übersetzung der Vorrede des Güldenen Tugend-Buches, deren Konzept nach Ausweis des in diesem Zeitraum häufig belegten Wasserzeichens im Jahre 1685 entstand. Von diesem Konzept ließ Leibniz im Jahre 1697 zwei Reinschriften anfertigen, um die Übersetzung Kurfürstin Sophie zugänglich zu machen. Sie dürfte Beilage zu seinem bereits oben erwähnten Brief wohl von Mitte August gewesen sein (I, 14 N. 26, S. 53-60), in dem er neben einer Bewertung Spees (S. 59) auch die Übersendung der zu einem früheren Zeitpunkt erstellten Arbeit vermeldet (que j'ay fait[e] autres fois,« S. 60). Die beiden heute erhaltenen Reinschriften - ob eine von ihnen an die Kurfürstin ging oder eine weitere, nicht mehr nachweisbare Reinschrift, ist nicht zu ermitteln - wurden auf demselben Papier und von derselben Schreiberhand wie der begleitende Brief an die Kurfürstin geschrieben und anschließend von Leibniz korrigiert. Die Art der vorgenommenen Korrekturen läßt darauf schließen, daß LH I 4, 8 Bl. 25-32 als Vorlage für LH I 4, 8 Bl. 19-24 (unsere Druckvorlage) fungierte. Bei der abschließenden Verbesserung der Reinschriften hat Leibniz ferner zusätzliche Korrekturen im Manuskript vorgenommen, die er ebenfalls nach l1 und l2 übernommen hat.