Series VI Band 4 · No. 114.

Ad constitutionem scientiae generalis

[Frühjahr 1682 (?)]

German

 [Frühjahr 1682 (?)]

Die Stückgruppe N. 109 bis 115 dürfte in enger zeitlicher Nachbarschaft entstanden sein. Es handelt sich um Bemerkungen und Schriften einerseits zur allgemeinen, für das Projekt der scientia generalis werbenden und sich an eine breite Öffentlichkeit richtenden Vorrede oder Einleitung, andererseits zur speziellen Einleitung zwecks Vorstellung der Methode selber, d.h. im Hinblick auf den methodologisch-wissenschaftstheoretischen Aspekt der scientia generalis. N. 109, unser Stück und N. 115 stellen bereits ausformulierte, mehr oder weniger fragmentarische Versuche solcher Einleitungen dar. N. 111, 112, 113 sind von Leibniz für sich selbst gemachte Notizen, die bei der endgültigen Formulierung Berücksichtigung finden sollten. N. 110 enthält eine Synopsis zum Werk über die scientia generalis, die wohl erstmals diese beiden Aspekte unter dem Titel De statu praesenti eruditionis und elementa veritatis aeternae (letzterer allein wird schon in N. 86 benutzt) einander gegenüberstellt. Während N. 109 den Versuch zu einer Einleitung macht, die diese beiden Perspektiven noch nicht deutlich trennt (ebensowenig wie zuvor in N. 88, zu dem auch vom Duktus her noch nähere Verwandtschaft zu bestehen scheint) und daher vermutlich vor der Synopsis (N. 110) liegt, stellen unser Stück und N. 115 separate Ausführungen beider Perspektiven im Sinne von N. 110 dar und liegen deshalb wohl etwas später. Dieses Stück bietet die umfangreichste dieser Einleitungen (nach N. 107 von Mai 1681 und vor N. 161 vom Frühjahr 1686), die Leibniz in seiner späteren Disposition zum Gesamtwerk (N. 158) zu den zwei Titeln Historia literaria und De statu praesenti eruditionis seu Reipublicae literariae erweitert. N. 115 ist der Versuch einer Einleitung, die das wissenschaftliche Desiderat seiner Methode aufzeigen soll, d.h. ist die Einleitung zu den elementa veritatis aeternae seiner scientia generalis im Sinne von N. 110, zu dem auch die gleichlautende Überschrift die Verwandtschaft aufzeigt.

Unsere Datierung stützt sich auf das für N. 109, unser Stück und N. 115 gleiche, im Zeitraum von April und Mai 1682 gut belegte Wasserzeichen. N. 110 hat ein zwischen Mai 1682 und Februar 1685 allerdings selten belegtes Wasserzeichen. Aufgrund des dispositionellen Charakters von N. 110, als deren partielle Ausführung man unser Stück und N. 115 ansehen kann, geht aber N. 110 wohl diesen beiden Stücken voran und ist daher in dieselbe Periode zu setzen. Andere äußere Kriterien bestätigen dies für unser Stück, als terminus post quem die von Leibniz erwähnte Wallis-Edition von 1682, als terminus ante quem der zeitpolitische Hintergrund, der Leibniz zu der Frage veranlaßt, ob den Türken ihr Schicksalstag nahe sei, eine Frage, die wohl zumindest nicht mehr nach der entscheidenden Schlacht am Kahlenberg im September 1683 (durch die Wien von der Tür- ­kenbelagerung entsetzt wurde und der Angriffskrieg gegen die Türken begann) so formuliert worden wäre. Für N. 115 kommt hinzu, daß der biographische Exkurs, mit dem das Stück abbricht, in N. 129 von Sommer 1683 bis Winter 1684/85 sowie N. 162 von 1686 wiederaufgenommen und zu Ende geführt wird, so daß es jedenfalls vor diesen beiden Aufzeichnungen liegen dürfte. Das Stück N. 111, dessen Wasserzeichen einen breiteren Zeitraum von Sommer 1680 bis Sommer 1684 umfaßt, sowie N. 112 (eine kleine zu N. 113 inhaltlich gehörige Notiz) und N. 113 - beide ohne Wasserzeichen - dürften die Ausarbeitung der elementa veritatis aeternae bzw. die Einleitung dazu vorbereiten und damit vor N. 115 und wohl auch vor unserem Stück verfaßt worden sein, N. 113 möglicherweise allerdings auch später, da die die demonstrative Methode anwendenden Autoren in derselben Ausführlichkeit erst in der Einleitung N. 161 aus dem Jahre 1686 erwähnt werden.