Series II Band 4 · No. 194.

GABRIEL WAGNER AN LEIBNIZ

Halle, 7. Juni 1707. [164.]

German

Hochwolgebohrner Herr, Hoher Gönner.

Eürer Excell. habe im neüligsten WinterM. durch zwei briefchen berichtet, daß ich mit meiner Geschicht der neüen Weltweisheit weiter nicht fort könte, wegen mangel der Leipzig. Monate, Ephemer. nat Cur., etc. daher nun wider herumschweifen müste, solche bücher, u. einen verleger zusuchen: dabei entdeckte ich meine izt größere lust zum weltweisen wörterbuche, u. daß ich bereit stünde, auf Eür. Excell. befehl nach Hannover zu kommen, üm Dero vorschub zugeniessen. Nach 4. wöchentliger vergebliger hofnung auf antw., reiste ich mit großem leidwesen den 1. KristM. nach Jena, u. vergangenen 20. Merz nach Halle: hir erfuhr ich, daß im kristM. ein brief an mich nach Jena wäre gangen; ich habe mich auf vilerlei art bemühet, den brief von Jena zuerlangen, aber ümsonst. Weil man nun in Aschersleben gemuhtmast, der brief sei von Eür. Excell. gewesen, so habe himit deßen mich gehorsamst erkundigen wollen. Ersuche demnach Eür. Excell., mir ie ehe ie liber zu berichten, ob diselbe noch mir gelegenheit an hand geben wolle zum weltweisen wörterbuch, oder auch di weltw. Geschicht, VernunftsKunst, u. d. g. endlich zu verfertigen. Ich erwarte geneigte antw., in Verbleibung

Hochwolgebohr. Hr., Eür. Excell. gehorsamster

Gabriel Wagner. vormal. Prof. in Erlangen

Halle 7. Jun. [1]707.

Di antw. an mich ist abzugeben in der Märckerstraße bei Hn. Doct. Golen.