Series II Band 4 · No. 104.

LEIBNIZ AN GABRIEL WAGNER

[Hannover, nach dem 2. Mai 1705]. [103.161.]

German

Insonders Hochgeehrter

Sein Schreiben ist mir etwas spat zu kommen, weil ich nicht zu Hause gewesen, ich habe aber auch nicht gleich geantwortet, weil mich in etwas darüber verwundert. Diene zwar ihm und anderen gern, habe es auch allzeit über Schuldigkeit gethan, aber zu einer forderung kan mich nicht verstehen. Hätte er was an die Königin oder an mich zu fordern gehabt, so hätte er es mir zu Berlin oder Lutzenburg andeuten sollen, dergestalt hätte ich sehen können, was bey Ihrer M[ajestä]t zu thun, er ist aber fortgereiset, ohne abschied von mir zu nehmen, hat sich auch meines Raths zu erhaltung seines absehens nie bedienet. Der Hr. Generalfeldmarschall ist mit seinem Bezeigen nicht zufrieden gewesen, würde also die Schuld des Mißschlags nicht auf die Königin oder mich, sondern ihn selbst fallen. Ich habe auch die Reise nicht eingerathen sondern nur M. Hn. von dem so man seinetwegen an mich gelangen laßen nachricht ertheilen wollen und sollen und ihm selbst sich zu entschließen überlaßen. Dergleichen ja wegen des ausgangs zu nichts verbindet. Er hat sich bey der Königin nicht ehe angeben als bis die Sache bey dem Hn Grafen von Fleming verderbt gewesen, und bey mir klagt er da die Königin nicht mehr vorhanden.

Braucht er das geld so er verlanget bloß einige bücher von dem Hn. Hofrath Cuno einzulösen, so ist es ein guth Zeichen, und meine Hülfe umb so weniger nöthig. Aber ich wiederhohle sonst, doch mit vorbehalt mich deswegen auf ausgang nicht verbindtlich zu machen, den ehemahls gegebenen Rath und stehe in den Gedancken M. G. H. werde nichts nüzlichers für sich und andere fürnehmen können, als einen Teutschen Sprachschaz zu schreiben. Zu welchem ende man die französische Sprachgesellschaft und des Furetiers Wörterbuch so schohn weit getrieben vornehmen, und teutsche dergleichen oder «viel» mehr etwas beßers thun köndte und zu solchem ende aber müste man sich [in] Nürenberg oder Hamburg, oder einer andren großen Stadt aufhalten, da viel handwerksleute und and[ere] lebens-arthen, also Leute vo[n denen] da die sonderbare Worthe zu erfahren.

Ich solte glauben es werden sich leute finden so für einen bogen etwas billiges zuschaffen köndten.

Aber es müßte alles wohl abgerundet werden und wohl von statten gehen, denn wenn man alles zu bolzen drehen will, das heißen die Holländer «auch» wohl die Profeten-Kranckheit. Zwischen dieser und der nachlässigen überfahrung ist ein Mittel.

Ich wündsche M. G. Hn., daß er bedacht sey, wie er seine gaben sich und andren nuzbar mache, welches nicht geschehen kan, ohne solche Aufführung zu vermeiden darüber man überall anstoßen muß. Mir ist leid gewesen zu sehen wie offt dadurch meine eigene wohlgemeinten bemühungen auch kosten verlohren gangen, auff welchen fall wenig verblieben seyn würden wie ich annoch

Meines G. Hrn. dienstwilligster G W v L