Series II Band 4 · No. 103.
GABRIEL WAGNER AN LEIBNIZ
Quedlinburg, 2. Mai 1705. [78.104.]
Hochwolgebohrner Herr.
Zu
Gewiß nicht weisheit u. klugheit machen einen Weltweisen, sondern deren Vereinigung mit Recht u. billigk. etc. Ist eine rache in der Natur, so wird si dis rächen, wo ich nicht das meinige widerbekomme: nicht alle wünsche sind vergeblig, die sele würkt auch außer dem leibe darin sie stekt; zugeschweigen des schlechten namens, der daraus folgen würde.
Ob ich das geld baar widerbekomme, oder der Hr. Kuno zu aushändigung meiner bücherei vermacht wird, sol mir gleich viel sein, weils onedem hizu bestimt war. Ich erwarte ehests antw., welche zuwenigsten hoffen werde, damit ich wiße woran ich sei, weil vileicht über 3. wochen nicht mehr werde hir sein. Di aufschrift an mich, weil ich unbekant sein wil, wird stat meines namens, diese sein müßen: Hn. Gotfried Wesener, buchhändler, so izt sich aufhaltend in Qvedlburg: abzugeben auf der Hohenstraße in der AmtRaht Heikelin hause, bei der Frau Garken.
Ich verbl. Wolgebohrner Herr, Dero Verpflichtester
G Wagner.
Gwedlburg 2. May [1]705.