Series II Band 3 · No. 96.
LEIBNIZ AN GABRIEL WAGNER
[nach dem 1. Februar 1697.] [95.99.]
Von Pechlin, Marco Meibom, Aizema und Kuflern kan nichts weiters mit gewisheit schreiben. Pegelii gedancken sind alzu unreif umb mit des Rogerii Baconi seinen verglichen zu werden. Kepler war excellent in der Geometri, aber die ist anders abstract als die Metaphysic, welche von der imagination nicht geleitet wird.
Die begebenheiten der Natur sind gewiß aber nicht nothig sondern zufallig. Wie die bewegungsgesez so sind auch die arten der materi, als welche allein durch die bewegung unterschieden. Der Seelen unsterbligkeit und Gottes willkührliche regirung halte nicht fur glaubensartikel sondern fur gewiße lehren, nur daß man Gott keine solche willkührigkeit zulege, die unsern unvollkomenheiten unterworffen. Die Dynamic handelt nicht von diesen dingen, sondern die Metaphysic, von welcher jene ihre principia entlehnet.
Mich düncket in der antwort sey zuviel galle, solte nicht beßer seyn die gegner außlachen als außschelten. Zweifle noch immer ob Hr. Professor Meyer autor der wiedrigen schrifft sey. Ich finde daß die Menschen offt ein ander entgegen seyn, weil sie ein ander nicht kennen. Es gehet ihnen wie den Americanern, da die so nicht einerley sprache reden ein ander freßen. Hrn. Placcium und Hrn. Meyern habe ich für feine leute gehalten und kan ihnen nicht wohl eine boßheit zutrauen.