Series II Band 3 · No. 76.

GABRIEL WAGNER AN LEIBNIZ

Hamburg, 14. (24.) September 1696. [82.]

German

HochEdler, Vest und Hochgelehrter Herr, Hochgeneigter Herr

Daß Sie mich eines grußes gewürdigt, u. mir di freiheit gegönnt an Sie zu schreiben, hat mich eüserst erfreüet: dis glük hab ich lange gewünscht, aber es selbst zuergreifen, mich nie erkühnen mögen; nun, da es sich selbst anträgt, u. mir meine feigheit gleichsam aufrükt, wil ich mich deßen desto kühner bedinen; denn ich fange schon an, mir mit doppelten Vorthel zuschmeicheln: Vileicht findet sowol die begierde große dinge zulernen, als das verlangen kleine dinge dem Pöbel der Gelehrten wieder zulehren, gelegenheit; wozu mir Mons. Uberhin hofnung gemacht, theils durch vorstellung der leütseligk. Meines Hochgeneig. Patrons, theils durch bericht von einer condition, deren ümstände er nicht recht erklärt, ich aber wol wißen möchte. Die Vernunft Ubungen, die Sie verlangt, meine deütsche schreibart zu sehen, überschikke gehorsamst, u. emfehle Ihrer Hochgeneigten gewogenheit damit

Hochedler Herr, Ihren gehorsamsten Diner Gabriel Wagner

Hamburg 14. Sept. 96