Series II Band 3 · No. 120.

GABRIEL WAGNER AN LEIBNIZ

Eger, 30. Mai (9. Juni) 1697. [107.150.]

German

Wolgebohrner Herr, Hoher Patron.

Ich kann nicht unterlaßen zuberichten, wi es mir dise reise ergangen: Mein Hr. war hir im anfange, seiner gewonh. nach gegen mich sehr leütselig, wolte auch, ich solte mich anständiger geselsch. zugenießen, auf seine unkosten in einen gasthof legen: ich weigerte mich lange, Ihm solche unkosten zu verursachen, da er aber drauf drang, muste ich. Hernach lies er mir eine halbjähr. besoldung zahlen, damit solte ich sehen wo ich bliebe, u. di gasthofs unkosten selbst tragen.

So ersuche nun Eür. Excell gehorsamst, bei gelegenheit dem Hrn. vorzustellen, daß er kraft seines antrags, den er mir nach Hamburg tuhn laßen, u. kraft seines in Hannover u. Eger gegebenen worts, mir den Tisch jahr, es sei in Eger, oder wo er mich mit hinnimt, schuldig sei, ja wenn ich auch auf Michaelis fort sol, kann er mich doch nicht, wi einen Verbrecher, leer fortschikken, weil er nichts über mich zu klagen u. mich aus meinem glük gesezt hat. Doch weil der Herr jederzeit gnädig u. freündl. gegen mich gewesen, zweifle ich nicht, er werde mir di Egris. unkosten gern wieder geben, u. sich in allen der gewöhnl. gütigk. nach erweisen. Dises nun bei gelegenh. vorzustellen, habe bei Zeiten, ehe ich wieder komme, gehors. bitten wollen.

Ich verbl. dagegen Eur. Excell. Verbundenster G. Wagner

Eger 30. May st. vet. 97. Dem Wolgebohrnen Herrn, Hrn. Gotfried Wilhelm Leibniz, Ihr. Churf. Durchl. zu Brunsw. Hochbestelten Geheimen Justiz-Raht, u.a. m. etc. Hannover. Franco