Series II Band 1 · No. 77.
OTTO VON GUERICKE AN LEIBNIZ
Magdeburg, 29. August (8. September) 1671. [75.82.]
Magdeburgk den 29 Aug. styl. vet. Ao 1671.
WohlEdler Vest. und hochgelarter etc.
Insonders g. günst: hochgeehrter Herr etc.
Desselben angenehmmes vom 17 Aug. habe den 28 alt. Cal. zurächt erhalten und darauß
weittere vernünfftige erclärung uber den verstand und effect des Aetheris ersehen; dieweil aber
die materia wichtigk und an ihr selbst weithleüfftig, so daß mein gantzes Buch von solchem
Spatio Vacuo, welches mein h. Herr de aethere et quidem quodammodo materiato verstehett,
tractiret, hergegen der drucker mitt dem wercke nuhmehr fast die helffte erreichett, also daß es
noch vor Martini gelibets Gott herauß kommen wird, so würde M. hochg. Hern mitt weithleüfftigen
schreben, nuhr verdruß causiren; kürtzlich aber nuhr dieses zu mälden; daß Spatium
könne dupliciter verstanden werden, vel secundum Vulgi conceptum, de longit. lat. et profunditate
alicujus rei; vel secundum Universale omnium rerum continens, welches Spatium dan
gantz kein materiatum, daher auch wan solches dergleichen wehre und a Sole vel ejus radiis
circuliret und dardurch der Planeten lauff effectuiret würde, nicht ein ieder seinen lauff besonders
in Zodiaco verrichten könte: Es ist auch an bewuster Schwäffel kugel zu sehen, wie die
virtutes Mundanae in orbibus suarum virtutum ohne vermittelung des Aetheris, in distans
operiren können, welche kugel dan auch wie sie zu praepariren im bewusten tractat beschriben
wird; Gestalt, wan nicht daß bothen lohn so ubersetzett würde, Mein hochg. Herrn eine
derglechen schicken wollen; Waß nuhn eigentlich diese oder iene Virtus mundana sey, solches
wird man klarlich ex libr. 4 mei tractatus zu erkennen haben, und zward solcher gestalt, weil
derglechen Virtutes in Tellure stäcken, sie auch per attritum corporis alicujus habilis, excitiret
werden können. Ex. gr. Sicut virtus Magnetica in Tellure imo extra, circumquaque diffusa est,
sic quoque in corpore habili (ferro scil.) absque magnete excitari potest. Beträffend die schalen
daran die pferde zihen, deren firma coniunctio rührett blos a gravitate aëris, und nach dem die
hemisphaeria groß, nach dem müssen auch vil pferde dazu gebrauchett werden, also da meine
(so im diametro 3/₄ Elle) nicht können von 16 pferden von einander gerissen, so können die, so
Ich I.C. Dchl. zu Brandenburgk praesentiret, und im diametro eine elle haben, nicht von 30
pferden von einander gezogen werden, welches alles vilfältig probiret, und in meinem buche
alles nach dem gewicht calculiret ist, so gar daß ich wissen kan zu welcher zeitt man mehr
gewichts vonnöthen; den wan daß männichen so uff der lufft schwäbtt niedrigk stehett, ist sie
leichter und halten auch die Schalen umb so vil weniger zusammen, vhrsache ist diese, wan die
lufft hatt viel rägen von sich gegeben, so ist sie leichter, nihmmett sie aber wiederümb wasser
an, so wird sie schwärer; Item wan grosse sturmwinde sind, sie mögen auch uber 100 und mehr
meilen sein, so wird sie leichter, ratio weil der wind die lufft also dan aliquo modo hebett und
trägtt, so wird sie auch leichter. Des Toricelli Experimentum, muß man also verstehen nach der
geringen capacität derselben gläsern röhren, wehre aber dieselbe 100 mahl weitter, so druckte
auch der Cylinder aëreus 100 mahl mehr des
Nebst diesen berichte meinem hochge. Herrn, daß vor 8 tagen an den Herrn Rath Lasser ich geschriben, auch eine supplic an I. Churf. Gn. eingelägtt, darin ich umb erlassung der Tax eines Druck privilegii von Kayserl. May. zu erlangen, unterthanigst gebethen; der drucker zu Amsterdam dringett in mich deßfals, daß ich ihm solches solle zu wege bringen, sagt es sey mein eigen vortheil in dem er versprochen so offte daß wergk wieder uff gelegtt würde, mihr eine gewisse anzahl der Exemplar abzugeben. Habe derowegen zu I. Churfrst. Gn. daß unterthanigste vertrauen gesetzett, Sie meinem petito gnadigst deferiren werden. Und weil ich dan zu Leiptzigk, ein kleinen briff biß Meintz umb 6 gg. muß franco machen, sie auch wiederümb zu Meintz die briffe biß Leiptzik wollen franciret haben, und ich die antworth (ob mein schreiben an den Herrn Rath sey rächtt eingelauffen) sehr desideriret, so habe 1/₄ Rthl. in selbiges schreiben, den Herrn Rath des verlags halber zu befreyen, mitt eingelägtt: hergegen sagen mihr andere daß die botten solche briffe worin sie geld vermärcketen, unterschlügen; uff welche masse ich in vergeblicher hoffnung stehen würde. Bitte derowegen mein hochgeehrter Herr, mein groß geneigter beforderer in dieser sache sein, zugleich auch bey dem Herrn Rath Lasser, ob solch mein schreiben ankommen, vernehmmen und ohne schwär nachricht davon geben wolle. Ich möchte auch wohl wissen ob mein hochge. Herr vor sein ietziges schreiben hette der Post etwaß zahlen müssen, dan sie gleich wohl alhir daß post geld, und also wohl gedoppelt nehmmen.
Auß Hamburgk wird mihr vom 26 Aug. geschriben daß zu Altena (gar nahe bey Hamburgk) ankommen wehre die Konigl. Dennemarkische Princessin, so den Churprintz von Heydelberck heürattett, in begleittung der Konigl. Fr. Mutter, welche die Hertzoge von Braunschweigk Zell und Hanover beneventiret, wie auch Hertzogk Christian von Mecklenburgk; folgenden tages werden Sie zu Harburgk (welches Braunschweigisch ist und dißseits der Elbe ligett) tractiret werden und von dar die Konigl. Fr. Mutter widerumb zurückreisen. Man helt auch davor daß Franckreich und Schweden wiederümb dürfften einigk werden, woran dan sehr gearbeittett und große enderung causiren würden.
Gott verhütte allen krigk und unwesen, in welches vatterliche vorsorge zu bestendiger gesundhett unß allesambtt ergebe und stetts verbleibe
Meines hochgeehrten Herrns Dienst ergebenster Diener Otto von Guericke
A Monsieur. Monsieur Leibnitz J.U. Doct. et Conseiller de S.A. Elect. de Mayence. Abzugeben bey Mons. Mons. Lasser, Conseill. de S.A. El. à Mayence. Franco.