Series II Band 1 · No. 104.
OTTO VON GUERICKE AN LEIBNIZ
Magdeburg, 18./28. März 1672. [103.]
Wohl Edler vest. und hochgelarter etc.
Insonders großgünst. hoch geehrter Herr etc.
Daß Schwäffel kugel vor
den Herrn Carcavium, vermuthende daß dieselbe etwa zu gleicher zeitt, mitt meinem
Tractatu de Spatio Vacuo, nach Franckfurth kommen werde (den ich alle tage ietzo denselben
vom Buchführer zu Amsterdam erwarte) in welchem Tractatu von dieser kugel lib. 4 cap. 15
gehandelt wird.
Von neüen weiß ietzo nichts besonders zu mälden weil die Hambürger Post morgen erst ankömbtt. Man sagtt daß der Frantzösische Envoié, nuhn von Churbrandenburgk nach Sachsen gegangen sey; waß seine verichtung gewesen sey, ist noch unbekant. Zu Coppenhagen, solle der Frantz. gesante Mons. Trelon hefftig getrohett haben, denen so die Hollendische Partey anträtten würden: Daß der Bischoff von Münster keine Frantzosen einnehmmen und die Colnischen erleichtern helffen will, wird von ihnen ungern gesehen. Zu Hamburgk werden vor den Kayser mitt offen trommelschlagk, 2 Regiment Dragons geworben. Man kan sich noch in Schweden, wohin es incliniren will, nicht gewisse richten; Nuhn sich Spanien bey Holland behelt, wird es mitt Engeland sich umbkehren, dan der gemeine man die handelungen mitt Spanien nicht entrathen kan. Wan meinem hochgeehrten Herrn belibete mitt meinem Sohne zu Hamburgk, Churfürstl. Brandenb. Rathe und residenten im Niedersachs. kreisse, auch Otto von Guericke genant, zu correspondiren, ist Er willig dazu, Ihme kömmett viel zuer hand, und gehett die Post von Hamburgk uff Franckfurth schnälle. Inß Clefische hatt nuhn der Churfürst auß diesen landen uber 4 Regimenter geschicktt und ligen diese gar nahe an die Cölnische. Der H. Administrator zu Magdeburgk will auch lassen 1 Regiment zu Roß und 1 zu Fueß werben, man kan aber nicht wissen voer wehm, oder eigentlich zu welchem ende. Der Churfürst von Sachsen ist ietzo zu Leiptzigk, lassett die Bürgerschafft alda munstern. Sonst ist nichts mehres, als Meinen hochgeehrten Herrn in Gottes schutz empfohlen, Derselbe wende auch abe, daß grosse unheil so da scheinett vor zu stehen, und ich verbleibe
Meines hochgeehrten Herrns willigster Diener Otto von Guericke
Magdebgk den 18/28 Martii Ao 1672.