Series II Band 1 · No. 101.

LEIBNIZ AN OTTO VON GUERICKE

[31. Januar 1672.] [83.103.]

German

An Herrn Gericken.

Ich bin neülich ohngefähr im Römischen Journal über eine Epistel eines mathematici nahmens Eschinardi kommen, welcher vorgiebt, daß die Thermometra nicht in gleiche, sondern einander ungleiche theile müsten abgetheilt werden, weil sie nicht motu uniformi sondern accelerato stiegen und wüchsen. Es ist bekand daß ohne das die thermometra sehr ungewiß, indem gradus raritatis in aëre nicht allein von Wärme und Kälte, sondern auch Trockne und Feüchte variirt werden. So glaub ich auch gar gern, daß das Baroscopium von allen mit einander einige impression empfange, denn die Lufft durch veränderung der Wärme und Kälte, Trockne und Feüchte, und denn bewegung oder ruhe ihre Leichte oder schwere verändert. Einig und allein deücht mich, sey das Hygroscopium oder mas der trockne und feüchtigkeit invariabel und an eine einfache Ursache gebunden. Und derowegen mit deßen hülffe, auch wenn es gleich ebenmäßig von zusammengesezten Ursachen hehrkommen solte, dennoch durch Combination solcher Instrumenten zu einiger richtigkeit zu kommen. Denn wenn man solche instrumenta zusammen hielte, würde vielleicht sich auß der differenz die Ursach finden. Als zum exempel wenn sich das Baroscopium veränderte, das Hygroscopium aber nicht, oder nicht mit gleicher proportion, köndte man daraus schließen, daß die verenderung der Schwehre nicht von feüchtigkeit oder trockne sey sondern entweder von rarefaction und condensation, oder Bewegung hehr rührte, solches nun wieder zu entscheiden, müste man das Thermometrum dagegen halten, were, wenn darinn keine solche veränderung, zu schließen daß die veränderung der Schwehre der Lufft von einer Bewegung hehrrühre, so die Lufft träget, und dergestalt köndte man vielleicht etwas gründtliches von künfftigen wetter schließen, auch wohl vielleicht gar zu periodis tempestatum kommen, wie dann an manchen orthen die winde periodisch seyn. Damit aber die Mühe zu observiren gemindert werde, köndte es also angestellet werden, daß die veränderungen von Zeiten zu zeiten sich selbst zeichneten wie Hookius und andere am Barometro gethan zu haben vorgeben, mit hülffe einer gewißen machine.

Ob der Mond eine veränderung in Schwehre der Lufft causire, und dadurch zu einer Mechanischen demonstration der Ursach der Meerfluten zu gelangen.

Ein zweifel fält mir hier noch bey. Ob die schwehre der Lufft durch tragung des windes vermindert werden könne. Denn wenn man ein geschirr voll waßer nimt, so zum exempel mit dem waßer 20 Pfund wieget, und ein stück holzes von 5 Pfund hinein leget, so vom waßer getragen wird, so wird doch das ganze geschirr mit holz und wasser 25 Pfund wiegen. So sagt man auch daß wenn ein Mensch in einer wage stehe, und etwas trage, werde solches mit ihm wiegen und wenn eine Kugel vom winde über einen glatten boden getrieben würde, würde sie nichts desto minder mit voriger gewalt den boden drücken.