Briefwechsel zwischen Leibniz und Basnage de Beauval. 1692-1708

GerhardtGerman

Einleitung 75

1692-1708.

Henri Basnage de Beauval (geb. zu Rouen 1656, seit 1687 in Holland, gest. in Haag 1710) übernahm, als Bayle die Zeitschrift: Nouvelles de la République des lettres, im Jahre 1687 aufgab, die Fortsetzung derselben unter dem Titel: Histoire des ouvrages des Savants.

Daß Leibniz mit dem Herausgeber dieses viel gelesenen Journals in Correspondenz trat, wurde auf folgende Weise veranlaßt. Pellisson hatte in der zweiten Ausgabe der Schrift: Réflexions sur les différends de la Religion, 4e partie, Paris 1691, die unter dem Titel: De la Tolérance des religions. Lettres de Monsieur de Leibniz et reponses de Monsieur Pellisson, Paris 1692, erschien, Auszüge aus seiner Correspondenz mit Leibniz ohne Wissen des letzteren veröffentlicht und auch seinen Namen in dem Titel der Schrift genannt. Diese Briefe, die die Zurückführung der Protestanten in den Schooß der katholischen Kirche betrafen, waren anfangs von Leibniz anonym geschrieben, so daß Pellisson den Namen des Verfassers nicht kannte; die Correspondenz wurde durch die Herzogin Sophie von Hannover, die Aebtissin von Maubuisson, Schwester der Herzogin, und besonders durch die Frau von Brinon, welche als sehr thätige Gehülfin der Aebtissin fungirte, vermittelt. Es berührte Leibniz äußerst unangenehm, daß sein Name öffentlich genannt wurde; er wandte sich deshalb an Basnage, damit dieser zur Verbreitung der gedachten Schrift nicht weiter beitragen möchte. Auch befürchtete er, daß die in seinen Briefen verfolgte Absicht von solchen, die keine ausreichende Kenntniß hätten, unter welchen Verhältnissen er sie geschrieben, falsch verstanden oder absichtlich falsch ausgelegt werden könnte. Mon but, schreibt Leibniz, estoit de faire voir à Mons. Pelisson, que ceux de sa religion favorissent l'indifference plus que les Protestans mêmes, à qui on l'impute eternellement et souvent fort mal à propos, oder wie er in dem Schreiben an Hugens 16/26 Sept. 1692 sich ausdrückt: Mon dessein estoit de monstrer à Messieurs de l'Eglise Romaine par une maniere de retorsion, que selon leur principes non seulement les Protestans, mais encor les Payens se peuvent sauver.

Einen zweiten Gegenstand der Correspondenz bilden die Animadversiones in principia Cartesii, die Leibniz im Manuscript nach Holland geschickt hatte, um das Urtheil der dortigen Gelehrten darüber zu vernehmen und, wie er es liebte, durch Discussionen seine Ansichten über das Wesen der Körper zu klären. Von Interesse ist die Antwort Bayle's, die durch Basnage an Leibniz übermittelt wird. Wenn Bayle auch mit Leibniz darin einverstanden ist, daß er die Auffassung der Cartesianer in Betreff des Wesens der Materie verwirft, so stimmt er doch nicht mit ihm überein in Betreff der Eigenschaften der Materie, die Leibniz ihr beilegt, namentlich daß er Materie und Kraft identisch setzt und daß die Trägheit der Materie nicht aus der Ausdehnung folgt, sondern aus den Gesetzen der Kräfte. Die von Bayle in Aussicht gestellte Untersuchung de natura extensionis ist nicht vorhanden, ist auch wahrscheinlich nicht ausgeführt worden, denn Leibniz beklagt es, daß Bayle schweigt und daß er sich mit ihm in weitere Discussionen über die Natur der Körper nicht einlassen will. -

Abgesehen von den Urtheilen über die wichtigsten Werke, die damals erschienen, sind besonders die Mittheilungen Leibnizens über seine eigenen Schriften, die er herausgab oder herauszugeben beabsichtigte, bemerkenswerth. Vornehmlich gehören hierher die Auseinandersetzungen über die prästabilirte Harmonie und die Zurückweisung der Angriffe auf dieselbe, welche er in den Jahren 1696 und 1698 an Basnage zur Aufnahme in sein Journal übersandte; sie haben eine Stelle in Bd. IV, S.498ff., 517ff. gefunden. Außer diesen enthält das Schreiben XIX eine bemerkenswerthe, lichtvolle Darstellung der Grundgedanken der prästabilirten Harmonie. Je tiens donc, schreibt Leibniz, pour demonstré que tout arrive à l'ame aussi bien qu'au corps en vertu de leur propres loix et comme par une suite de leur estat primitif. Mais c'est avec une harmonie si exacte et si bien établie d'abord entre les substances differentes par la sagesse infinie de l'auteur des choses, que les changemens qui naissent ainsi à chacune de son propre fonds, s'entre repondent tout comme s'il y avoit une transmission des especes et qualités ou quelque influence reelle, que le vulgaire des philosophes s'imagine, mais qui ne sçauroit avoir lieu. Il me paroist aussi plus digne de Dieu et plus convenable à la philosophie, de tout expedier conformement aux loix naturelles que Dieu a données d'abord aux choses, que d'estre obligé de l'employer tousjours ex machina, pour rendre raison de ce qui se passe ordinairement, comme font les auteurs du systeme des causes occasionelles. Ainsi au lieu de dire avec ceux, que Dieu s'est fait une loy de produire tousjours dans la substance des changemens conformes à ceux d'une autre substance, qui troublent à tout moment leur loix naturelles, je diray que Dieu leur a donné d'abord à chacune une nature dont les loix mêmes portent ces changemens, de sorte que selon moy les actions des ames n'augmentent ny diminuent point la quantité de la force mouvante qui est dans la matiere, et n'en changent pas même la direction, comme M. Descartes a cru. Cependant je ne nie pas l'action d'une substance sur l'autre. Mais je croy que l'effort qu'elle fait n'est qu'en elle même, et que le changement qui en arrive dans l'autre, ne se fait qu'en consequence de l'harmonie preétablie. Et qu'il est impossible d'expliquer autrement les Actions emanantes dans l'ordre naturel des choses.

Die Correspondenz Leibnizens mit Basnage zeigt seit dem Jahre 1698 große Lücken. - Von den Briefen Basnage's ist der erste vollständig abgedruckt, um ein Bild von den Mittheilungen seinerseits an Leibniz zu geben; in den folgenden ist vieles, was auf die Tagesliteratur sich bezieht, weggelassen.