Guericke an Leibniz
Daß Derselbe mein antworthschreiben vom 1. Martii styl: nov: wohl empfangen habe, will ich hoffen. Meiner darin gethanen Zusage nach, vberschicke die Schwäffelkugel vor dem Herrn Carcavium, vermuthend daß dieselbe etwa zu gleicher Zeitt, mitt meinem Tractatu de Spatio vacuo, nach Franckfurth kommen werde (den ich alle tage ietzo denselben vom Buchführer zu Amsterdam erwarte) in welchem Tractatu von dieser kugel lib: 4 cap. 15. gehandelt wird.
Von neüen weiß ietzo nichts besonders zu mälden weil die Hamburger Post morgen erst ankömbtt. Man sagtt daß die Frantzösische Envoie nuhn von Churbrandenburgk nach Sachsen gegangen sey; waß seine Verrichtung gewesen sey, ist noch vnbekant. Zu Coppenhagen solle der Frantz. gesante Mons. Tirlon hefftig getrohett haben, denen so die hollendische Partey anträtten würden: Daß der Bischoff von Münster keine Frantzosen einnehmen vnd die Cölnischen erleichtern helffen will, wird von ihnen vngern gesehen. Zu Hamburgk werden vor den kaiser mitt offen trommelschlagk 2 Regimment Dragons geworben. Man kan sich noch in Schweden, wohin es incliniren will, nicht gewisse richten; Nuhn sich Spanien bey Holland behelt, wird es mitt Engeland sich vmbkehren, dan der gemeine man die Handelungen mitt Spanien nicht entrathen kan. Wan meinem Hochgeehrten Herrn belibete mitt meinem Sohne zu Hamburgk, Churfürstl. Brandenb. Rathe vnd residenten im Niedersächs. kreisse, auch Otto von Guericke genannt, zu correspondiren, ist Er willig dahin, Ihme kömmett viel zuer Hand, vnd gehett die Post von Hamburgk vff Franckfurth schnälle. Inß Clefische hat nuhn der Churfürst auß diesen landen vber 4 Regimenter geschickt vnd ligen diese gar nahe an die Cölnische. Der H. Administrator zu Magdeburgk will auch laßen 1 Regiment zu Roß vnd 1 zu Fueß werben, man kan aber nicht wissen vone wehm, oder eigentlich zu welchem ende. Der Churfürst von Sachsen ist ietzo zu Leiptzigk, lessett die Bürgerschafft alda mustern. Sonst ist nichts mehr, als Meinen Hochgeehrten Hern in Gottes schutz empfehlen, derselbe wende auch aber daß grosse Vnheil so da scheinett vorzustehen, vnd ich verbleibe etc.
Magdeburgk den 18/28 Martij Ao: 1672.