Guericke an Leibniz
Desselben gar angenehmes vom 31 Jan: hatt mich die Vberkunfft der Schwäffelkugel verständigett vnd daß sie wegen anderer geschöffte noch nicht rächt probiret werden können, doch hette Er die Wärme vnd suncken gar wohl gespühret etc. Nuhn weiß nicht, ob etwa ein mißverstand hierbey, weil mihr von Wärme bey der kugel nichts beweist, die funcken aber müßen etwa von dem leüchten zu verstehen sein, wan man Sie mitt trucken henden bey der nachtt oder im finstern gemach bestreichett, so gibtt Sie, wie der Zucker, leüchtung von sich. Aber die andern operationes die Sie thutt, sind viel vorträfflicher, davon alles mein tractat mitt mehren mälden wird, watt er erstlich herauß ist; wan ich wüste daß dem Herrn de Carcavi nicht zu wieder, wolte ich durch Vermittelung meines hochgeehrten Herns solche kugel wohl schicken vnd sie in dem gläsern globo laßen darin sie gegossen, daß man Sie alda frisch herauß nehmen könte, dan die schon lange durch mancherley hende gegangen, nicht so guth operiren.
Anlangend die quaestiones: 1. wie weith es mitt compression der Lufft zu bringen, ob 1000 oder mehr mahl so viel in ein geschir zu bringen als vor darin geweßen, vnd ob die Lufft nicht entlich gar zu waßer würde? 2. ob ich in acht genohmmen, wie viel in quantitate refractionis die außgepumpte Lufft oder das Vacuum von der gemeinen Lufft vnd die gemeine von der geprässeten differire? Vff diese quaestiones wird man die resolutiones auß meinem Buche nehmen können: Den Dasselbe zeigett die gradus der Lufft an; Ex. gr. hier bey vnß vff der erden ist sie gepresset (ob suam gravitatem) so sehr als praeter, propter 20 ellen hoch wassers drucken könne; ie hehr sie ist ie weniger ist sie gepresset, ergo tanto rarior est. Nuhn halte ich, daß rarissimus aër (der auch anders nichts ist als Telluris odor) wohl entlich bis vff ein par 1000 Meilen herauffsteige, da er dan zuletztt so subtil vnd rar wird, daß Er nichts mehr, sondern das spatium purum ist: Also wen man von dem aëre, so sehr hoch droben stehett, zusammen präste, könte man leichtlich 1000 vnd mehr mahl so viel hinein treiben als zuvor darin gewesen; heergegen wen man hier vnten vff der Erde, von der schon also geprässeten Lufft, wolte zusammen präßen, glaube ich nicht daß man mehr als 20 oder 30 mahl so viel würde hinein bringen, alß zuvor darin gewesen; Ich habe auch bey den Lufftbüxen wohl so viel gemärckett, daß die Lufft entlich so feste stehett, wie daß wasser vnd sich im geringsten nichts mehr prässen lässett; aber wasser wird nimmermehr auß lufft, waß einmahl lufft worden ist, daß bleibtt lufft, welches alles ich durch experimenta beweiße. Vnterdes ist wahr, daß lufft wasser an sich nihmmett, vnd allezeitt auch die druckene lufft wasser bey sich habe, meine Experimenta zeigen auch augenscheinlich, wie man kan im augenblick (in einem hellen glaße) daß wasser so in der lufft desselben glaßes ist, separiren von derselben lufft. Weil es nuhn mitt derienigen lufft, so da hier bey vnß vff der Erde, gegen die so höher ist, so eine grosse differentz, habe ich mich nihemalen bekümmern mögen, wie vielfältiges mahl Sie zu comprimiren sey, sondern lieber die Zeitt vff andere Ding, darauß dan nicht allein dergleichen, waß von der lufft gemäldett, sondern andres zu erfinden gewust: Ex. gr. habe ich die machinulam, in bekommenden iconismo1, mitt A signiret, erfunden; die wird vber die helfft mitt wasser gefüllett, vnd daß öberende C vnten gekehrett, damitt die röhre Cd auch voll wasser werde, vnd dan wieder vffgerichtett, vnd weil Sie mitt dem orificio d im wasser stehett, kan daß wasser auß dieser röhre Cd nicht lauffen, alias würde ein vacuum in der röhre wie allen bekand ist. Nach diesem so appliciret man diese machinulam mitt dem pompwerke, vnd zeügtt die lufft auß dem glaße A, so muß das wasser so in der röhre Cd ist, herunter fallen, vnd wird ein vacuum in derselben; Allein weil alle Dinge ihren odorem oder ihre lufft haben (welche ich auch effluvium corporale heisse), so gibtt daß wasser durch vnd durch viel kleine Bläsichen, so daß man schwüre es penetrirte die lufft durchs glaß, welches doch nicht geschichtt; Den wen man diese machinulam innerhalb 14 tagen, ein mahl 3 oder 4 also außzeügtt, gehen entlich keine blaßen mehr hervor, biß also gar keine mehr gespürett werden. Dann so lessett man die röhre Cd wieder voll wasser lauffen vnd extrahiret allen lufft herauß vnd verschlissett die ventil e, so kan man in der schmalen röhre cd das summum vacuum zu wege bringen, weitter es von mänschen nicht kan gebracht werden. Vnd geschihett also, daß man die machinulam, wie vorgemäldet sincken leßett damitt die röhre Cd voll wasser lauffe; dan richtett man Sie wieder auff (doch so daß orificium d immer im wasser bleibe) vnd tritt daß wasser gantz herunter ohne Vonsichgebung einiger Bläßlein, also daß es mitt dem vacuo nicht hoher kan gebracht werden, weil durch dieses mittel daß einsteigen aller bullulen gantz nicht geschihett, welches die anderen, so meine machinam pneumaticam nach gemachtt, noch nihemalen verwehren können. Wohbey dan ferner zu wissen, weil kein dingk in der welt daß ohne corporali effluvio, also auch daß wasser, in spatio vacuo nicht vnterlesset, dennoch einigen odorem von sich zu geben, welcher odor (wen man die röhre Cd wiederumb voll wassers lauffen lessett) als eine bullula einer erbiß groß, oben in der obersten spitzen C gespürett wird; welche bullula, weil Sie in spatio vacuo sie sich zu dilatiren machtt hatt gesehen wird, alias non; den wen man daß ventil e öffnett, steigtt daß wasser gantz in die röhre hinauff, vnd wird die bullula so klein, daß Sie nicht mehr kan gesehen werden. Ubi notandum: wan daß ventil stracks vff einmahl geöffnett wird, so gehen die gantze machina mitt großen schräcken vff stücken. Bei dieser machina sind noch vil andere Dinge zu finden, so mein tractat ausweisett; dieß habe ich nuhr deßwegen geschrieben, daß man, wie träfflich sich die lufft dilatiren könne, augenscheinlich märcke.
Ad 2dam quaestionem zu respondiren, berichte ich, daß in solchen kleinen corpore vitreo einige refractio aëris nicht zu spüren, her zu gehöret ein groß spatium, ich habe aber in meinem Buche auch de refractione aëris geschrieben, viel also vorher nicht bekannt gewesen.
Ad quaestionem, waß doch die maxima vnd minima altitudo mercurii, an vnterschiden orthen sey? R: Die ist generaliter gleich vber den gantzen Erdboden, wird aber bald an diesem bald an ienem orthe geendert; den an welchen orth die lufft viel wassers hatt an sich genohmmen, da ist sie schwär, aber woh sie viel wassers durch rägen abgibtt, da wird sie leichter; item da sich winde ereügen, wird sie leichter; dan die winde sind viventes essentiae so in der Erde generiret werden vnd wan sie herauf kommen, moviren sie die lufft, durch welche motion sie gehoben oder getragen, consequenter leichter wird, hernach wan diese essentiae gethan waß sie gekont, exspiriren sie vnd kömbtt der Mercurius wieder im vorigen stand. Von der Dennemarkischen lufftschraube weiß ich nicht. Die Thermometra in vngleiche theile zu theilen, würde caeteris paribus nicht vneben sein, ich habe aber nihemahlen groß daroff geachtett, weilen sie auch ob variationem aëreae gravitatis (vnd also nicht allein wegen der wärme oder kelte) steigen, darauß den Vnrichtikeitt erfunden. In meinem Buche werden sich gar 3 andere arten Thermometrorum finden, darauff zuvor keiner gedachtt. Der Mond causiret keine schwäre der lufft, sondern luna und Terra operiren per virtutes gegen einander (die kein gewicht haben) wie die Schwäffelkugel augenscheinlich zeigtt. Von Vhrsache der määresflutten stehet auch etwaß in meinem Buche. Also vnd weil ich hoffe solches mitt göttl. hülffe balde herauskommen werde, dardurch sich dan auch die quaestiones endern werden, spare es dahin. Daß Privilegium machen viel Verhanderliches; den erstlich habe ichs nicht weitter als vff 10 Jahr erlangen können, da doch die andern mehrentheils vff 20 Jahre gegeben werden; dan muß ich 6 Exemplar geben, welcherwegen ich durch den Agenten Herrn Praunen caution machen lasse; hernach haben sie solche nicht annehmmen, sondern die Exemplar zuvorhaben wollen, worgegen ich remonstriret waß vor Zeitt darüber hingehen würde (den außerhalb Leiptziger ostermäße ich die Exemplar nicht zu verschaffen wüste) vnd waß vor Zeitt wiederumb verlauffen würde, ehe daß Privilegium nacher Amsterdam kehme. Also haben Sie entlich die Caution angenohmmen, aber, da nuhn daß Privilegium gantz gefärtigtt, hatt sich befunden, daß im context etwaß versehen, daß es muß wieder vmbgeschrieben werden, darmitt gehett wiederumb einige Zeitt wegk. Deß erbietens wegen, da ich etwaß bey curiosos zu bestellen hette, bedancke mich gar sehr, weiß vor ietzo eben nichts, allein bitte mich der örter vffs beste zu recommandiren; wan Sie erstlich daß Buch werden geläsen haben, so wird es wohl in einem oder andern, weil die materia weithläufftig, scrupul abgeben, hoffe aber solchen mit grunde wohl zu begegnen. Die Schwäffelkugel vermeine mit vnserm Buchführer vff die mäße mitt zu schicken.
In Publicis, vnd daß sich Engeland mitt Franckreich contra Holland vereinbaren, hergegen Hispanien beständig bey die Vnirte provincien stehen will, wird mein hochgeehrter Herr vnd waß hiervnter daß Stifft Cöllen leidett, besser wissen. In Polen sihett es wieder seltzamb auß, daß theils vermeinen der Armee confoederation
sey gar wieder den könig, welches dem türcken eine gewündschete sache sein würde, vnter welchen wesen Teütschland von beyden seitten gefahr leiden dürffte. Gott steüre allem Vnheil, in welches gnädige Vorsorge vnß sembtlich ergebe vnd verbleibe etc.
Magdeb. den 1 neüen Martii Ano: 72.
- 1Siehe die Figur zu cap. 7 und 8 lib. 3 der Experimenta Magdeburgica de vacuo Spatio.