Leibniz an Guericke
Ich bin neulich ohngefähr im Römischen Journal über eine Epistel eines mathematici nahmens Eschinardi kommen, welcher vorgiebt, daß die Thermometra nicht in gleiche, sondern in andere ungleiche theile müssen abgetheilt werden, weil sie nicht motu uniformi, sondern accelerato stiegen und wüchsen. Es ist bekand daß ohne diß die Thermometra sehr ungewiß in dem grade raritatis in aëre nicht allein von Wärme und Kälte, sondern auch Trockne und Feuchte variirt werden; so glaub ich auch gar gern, daß das Baroscopium von allen mit einander einige impression empfange, denn die Lufft durch Veränderung der Wärme und Kälte, trockne und feuchte, und denn Bewegung oder Ruhe ihre leichte oder schwehre verändert. Einig und allein deucht mich, sey das Hygroscopium oder maas der trockne und feuchtigkeit invariabel umd an eine einfache Ursache gebunden. Und derowegen mit deßen Hülffe, auch wenn es gleich eben mäßig von zusammengesetzten Ursachen hehrkommen solte, dennoch durch Combination solcher instrumenta zu einiger richtigkeit zu kommen. Denn wenn man solche instrumenta zusammen hielte, würde vielleicht sich auß der Differenz die Ursach finden. Als zum exempel, wenn sich das Baroscopium veränderte, das Hygroscopium aber nicht, oder nicht mit gleicher proportion, könnte man daraus schließen, daß die Verenderung der Schwehre nicht von Feuchtigkeit oder trockne sey, sondern entweder von rarefaction und condensation, oder Bewegung hehr rührte, solches nun wieder zu entscheiden, müste man das Thermometrum dagegen halten, were darinn keine solche Veränderung, zu schlüßen, daß die Veränderung der Schwehre der Lufft von einer Bewegung herrühre, so die Lufft träget, und dergestalt könnte man vielleicht etwas gründliches vom künfftigen Wetter schließen, auch wohl vielleicht gar zu periodis tempestatum kommen, wie dann an manchen orthen die Winde periodisch seyn. Damit aber die Mühe zu observiren gemindert werde, könnte es also angestellet werden, daß die Veränderungen von Zeiten zu Zeiten sich selbst zeichneten, wie Hookius und andere am Barometro gethan zu haben vorgeben mit Hülffe einer gewißen machine.
Ob der Mond eine Veränderung in Schwehre der Lufft causire, und dadurch zu einer Mechanischen demonstration der Ursach der Meerfluten zu gelangen. Ein Zweifel fält mir hier noch bey, Ob die schwehre der Lufft durch tragen des Windes vermindert werden könne. Denn wenn man ein geschirr voll waßer nimt, zum exempel mit dem Waßer 20 @. wieget, und ein stück Holzes von 5 @ hinein leget, so von Waßer getragen wird, so wird doch das ganze geschirr mit Holz und Waßer 25 @. wiegen. So sagt man auch daß wenn ein Mensch in einer Wage stehe und etwas trage, werde solches mit ihm wiegen, und wenn eine Kugel vom Winde über einen platten Boden getrieben würde, würde sie nichts desto minder mit einiger gewalt den Boden drücken.1
- 1Ohne Ort und Datum.