Guericke an Leibniz

GerhardtGerman

Desselben vom 5 Octob: habe den 12. ejusd. styl. nov: zu rächt empfangen, bedancke mich gehabter mühewaltung vnd geneigter Willfahrung, werde nicht vnterlaßen der beyden desiderirten Exempla halber, beim Buchführer, wan gelibets Gott daß werk zu seiner perfectikeitt kommen, schuldige beförderung zu thuen. Die begehrte kugel ist hiebey, auch von denen1 Pflaumfederlein zwei stücke oder 3, darauß zu sehen wie sie sein müssen, denn keile müssen sie nicht haben. So ist auch hiebey auß meinem Buche geschrieben der Gebrauch2, wan künfftig daß Buch heraußkommen, so wird auch daß aufgeschriebene Caput ein bessern Verstand erlangen, Interim kan sich mein Hochg. Her der kugel gebrauchen. Dabey dan zu wißen, daß sie nicht alle Zeitt gleichstarck, auch nicht allen Leütten gleich operiret, den denen die weiche vnd feüchte Hende haben (gleich wie mein Sohn Chur. Br. Resident im Nieder Sächs. kreisse) operiret sie wenig, hiegegen mihr, der ich in mechanischen vorfallenden sachen bißweilen selbst Waß angreyffe vnd daher harte hende habe, wohl. Sie thutt nichts, muß zuvor mitt der hand an einen orth (als etwa im aequatore) wohl begriffen vnd dann mitt ein par schlegen perstringiret werden, wan Sie dan vber leichte sachen alß etwa hoppen bletter oder waß es ist gehalten wird, so zeigtt sies an sich; dann kan man auch die Operation mitt der Fäder vornehmen vnd den 3 articulen des Capitis nachgehen.

Wen man nicht rächtt weiß wie sie zu atteriren vnd zu perstringiren, so nehmme man sie bey abends inß finstere vor, da wird man sehen vff welche art sie am besten schein von sich gibtt, also will sie auch tractirt sein; allein an keinen feüchten orth, noch auch nicht mitt feüchten vnd feisten henden. Wie die kugel zu praepariren, ist zward mitt wenigen in dem beygelegten Cap. XV. zu befinden,

weil es aber mein Hg. Her vmbständlicher begehret, will ihm mitt nächsten gerne damitt willfahren, ietzo hatts nicht sein können, weniger vff daß andere zu antworten, weil die Post vff Leiptzigk zu mittage wegk gehett, vnd sollte ich noche biß vber 8 tage warten, so möchten die Franckfurter kauffleutte so die kugel mittnehmen sollen, hinwegk sein. Vnd wolle also vor daß mahl mein Hg. Herr mich entschuldigett halten, demselben inzwischen der göttl. obhutt treülichst ergebe vnd allezeit verbleibe etc.

Magdeburgk den 13 Octobr. styl: no: A: 1671.

P.S.

Von neüen fellett hier nichts vor, als daß wegen Cöllen die sachen ietzo waß besser lauffen, darin ich dan sehe daß auch Ihr Churf. Gn. zu Mayntz höchstrühmligst beflissen seind. Franckreich dürffte wohl gegen den Winter wieder die Hollender waß vornehmen etc.

Beilage3.

Usus Globi Sulphurei, davon in Tractatu meo de Spatio Vacuo, lib. 4. cap. 15. tractiret wirdt.

Es ist bey dieser kugel zu wißen, daß dieselbe an keinem feüchten orthe liegen, weniger mit unsaubern Händen, noch die feücht sindt, tractiret oder atteriret werden muß, sondern ie hertere Hände iemandt hat, undt ie druckener die sindt, ie beßer die kugel, uff vorhergehendes bestreichen mit der handt undt atteriren, operiret.

Zu augenscheinlicher Darstellung (1) der Virtutes Conservativae oder attractivae Telluris, pflege ich nuhr hoppen Blätterlein zu gebrauchen, wiewohl die kugel alles ann sich zeügt (doch daß es nicht zu schwär, den alles waß sie zeügt, muß sie der Erden nehmen, undt also stercker ziehen alß ipsa Tellus). Aber (2) zu bezeigung der Virtutis Expulsivae, brauche ich dergleichen Pflaumfäderlein von der größe wie hirbey geleget, welche (wan zuvor die kugel etwaß begriffen oder bestrichen, undt auch ein mahl oder 3 mit dem Handschlagk perstringiret worden) sie an sich zeügt, hernach die ästlein sich von ein ander spreitzendt machet, undt entlich gar von sich expelliret, auch also in Ihren orbe virtutis umbher geführet werden kan, wie sowohl in diesen, alß andern, vermeltes caput 15, mehrere anzeige gibt, auch die praxis ie mehr undt mehr dociren wirdt. Dabey dan auch zu wißen, daß die kugel nicht allezeit einerley effect praestiret, sondern eine Zeit mehr an sich zeügt, die ander Zeit mehr expelliret, oder auch, so in diesem, so in jenem, stärcker oder weniger operiret.

Die Plumulae so hirbey geschickt werden, weil sie in dem Brieffe ganz breit zusammen gepräßet seindt, müßen zuvor in die warme Sonne geleget werden, damit sie sich wieder von ein ander spreitzen, undt ihre rechte arth bekommen, oder man müsse, wie diese sindt, neüe suchen, die nehmblich fein, rondt, nicht lange äste, auch gar keine keile haben.

  1. 1Notandum. Die Fädern ie freier Sie von einander gespärrt bleiben vnd ie weniger Sie Zusammengedruckt werden, ie besser es ist. Bemerkung von Guericke. - Ein Päckchen Flaumfedern ohne Kiele liegt noch beim Briefe.
  2. 2Siehe die Beilage zu diesem Briefe.
  3. 3Diese Beilage ist von anderer Hand geschrieben, daher die verschiedene Orthographie.