Guericke an Leibniz
Desselben angenehmes vom 17 Aug. habe den 28. alt. Cal: zurächt erhalten vnd darauß weittere Vernünfftige erclärung vber den Verstand vnd effect des Aetheris ersehen; dieweil aber die materia wichtigk vnd an ihr selbst weithleüfftig, so daß mein gantzes Buch von solchem Spatio vacuo, welches mein H. Herr de aethere et quidem quodammodo materiato verstehett, tractiret, hergegen der Drucker mitt dem Werke nuhmehr fast die helffte erreichen, also daß es noch vor Martini gelibets Gott herauß kommen wird, so würde M. Hochg. Hern mitt weithleüfftigen schreiben, nuhr Verdruß causiren; kürtzlich aber nuhr dieses zu mälden, daß Spatium könne dupliciter verstanden werden, vel secundum Vulgi conceptum, de longit: lat: et profunditate alicujus rei; vel secundum Universale omnium rerum continens, welches Spatium dan gantz kan materiatum, daher auch wan solches dergleichen wehre vnd a Sole vel ejus radiis circuliret vnd dadurch der Planeten Lauff effectuiret würde, nicht ein ieder seinen Lauff besonders in Zodiaco Verrichten könte: Es ist auch an bewuster Schwäffelkugel zu sehen, wie die virtutes Mundanae in orbibus suarum virtutum ohne Vermittelung des Aetheris in distans operiren können, welche kugel dan auch wie sie zu praepariren im bewusten tractat beschriben wird; Gestelt, wan nicht daß bothen lohn so vbersetzett würde, Meinen Hochg. Hern eine dergleichen schicken wolle. Waß nuhn eigentlich diese oder iene Virtus mundana sey, solches wird man klarlich ex libr.: 4 mei tractatus zu erkennen haben, vnd zward solcher gestalt, weil dergleichen Virtutes in Tellure stäcken, sie auch per attritum corporis alicujus habilis, excitiret werden können. Ex: gr: Sicut Virtus Magnetica in Tellure imo extra, circum quaque diffusa est, sic quoque in corpore habili (ferro scil:) absque magnete excitari potest. Beträffend die schalen, daran die pferde zihen, deren firma coniunctio rühren blos a gravitate aëris, vnd nachdem die hemisphaeria groß, nachdem müßen auch vil pferde dazu gebrauchett werden, also da meine (so im diametro ¾ Elle) nicht können von 16 pferden von einander gerißen, so können die, so H. J. C. Dehl zu Brandeburgk praesentiret, vnd in diametro vier elle haben, nicht von 30 pferden von einander gezogen werden, welches alles vilfältig probirt, vnd in meinem Buche alles nach dem gewicht calculiret ist, so gar daß ich wissen kan zu welcher zeitt man mehr gewichts vonnöthen; den wan daß männichen so vff der lufft schwäbtt niedrigk stehett, ist sie leichter vnd halten auch die Schalen vmb so vil weniger zusammen, vhrsache ist diese, Wan die lufft hatt vil rägen von sich gegeben, so ist sie leichter, nihmmett sie aber wiedrumb Wasser an, so wird Sie schwärer; Item wan große sturmwinde sind, sie mögen auch vber 100 vnd mehr meilen sein, so wird sie leichter, ratio weil der Wind die Lufft also dan aliquo modo hebett vnd trägtt, so wird sie auch leichter. Des Toricelli Experimentum muß man also verstehen nach der geringen Capacität derselben gläsern röhren, wehre aber dieselbe 100 mahl weitter, so druckte auch der Cylinder aëreus 100 mahl mehr des hinein; aber alles allezeitt in gleicher Hohe, interim würde doch die große röhre 100 mahl Schwärer drücken. Die praedictionem Tempestatis per virunculum istum anlangend, so kan man gemeinlich nuhr den tagk zuvor es märken ob die lufft wolle Wasser von sich geben oder an sich nehmen. Wen es aber lange Zeitt nicht gerägnett hatt, so kan mans, wan der rägen angehett wohl ein par tage zuvor sehen. Die winde aber weil solche offters weith, also kommen sie nicht allezeitt in ihren vollen krefften hier her zu vnß, vnterdessen aber ist man deren durch daß Vngewöhnliche nidersteigen des Virunculi genuchsahmb gesichert.
Beim dunckelen rägenwetter ist die lufft leicht, beim hellen schwärer. Von diesem tempestatis indice schreibe Jemand etwaß, aber doch nicht so daß manß nachmachen könne, Ich vermuthe aber wohl daß mitt der Zeitt andere auch dahinter kommen werden etc. In aëre compresso kan wohl 100 mahl mehr aëris seyn als in dilatato, davon lauter oculares demonstrationes können gegeben werden, also kan globus aëreus pisi instar, sich wohl in einem evacuirten recipienten vberall extendiren. Eß wehre vil auß einer station distantias zu mässen, bevorauß wan sie sich auch ad sidera verstrecken sollte, mihr kömbts (salva pace) vnglaublich vor, vnd möchte wohl mehr Umbstände davon wissen. Von solchem mechanico in Schweden, so specimen volatus gethan habe, ist mihr nichts vorkommen, Ihrer C. Gn. zu Maintz haben einstmahls gegen mihr gedacht, daß Sie zu rom gesehen einen so biß an die tertiam contignationem eines hauses flihen können.
Nebst diesem Berichte meinem Hochg. Hern, daß vor 8 tagen an den Hern Rath Lasser ich geschrieben, auch eine supplic an I. Churf: Gn: eingelägtt, darin ich vmb erlaßung der Tax eines Druckprivilegii von kayserl. May. zu erlangen, vnterthänigst gebethen; der Drucker zu Amsterdam dringett in mich deßfals, daß ich ihm solches solle zu wege bringen, sagt es sey mein eigen Vortheil indem er versprochen so offte daß wergk wieder vffgelegtt würde, mihr eine gewisse anzahl der Exemplar abzugeben. Habe darinnen zu I. Churfrstl. Gn. daß vnterthänigste Vertrauen gesetzett, Sie meinem petito gnädigst deferiren werden. Vnd weil ich dan zu Leiptzigk ein kleinen briff biß Maintz Vmb 6gg. muß franco machen, Sie auch wiederumb zu Maintz die Briffe biß Leiptzigk wollen francirt haben, vnd ich die antworth (ob mein schreiben an den Hern Rath sey rächtt eingelauffen) sehr desideriret, so habe ¼ Rthl. in selbiges schreiben den Hern Rath des Verlags halber zu befreyen, mitt eingelägtt: hergegen sagen mihr andere daß die botten solche briffe worin sie geld vermärcketen, vnterschlügen; vff welche maße ich in vergeblicher hoffnung stehen würde. Bitte derowegen mein hochgeehrter Her, mein groß geneigter Beferderer in dieser sache sein, zugleich auch bei dem Hern Rath Lasser, ob solch mein schreiben ankommen, vernehmmen vnd ohne schwär nachricht davon geben wolle. Ich möchte auch wohl wissen ob mein Hochge. Her vor sein ietziges schreiben hette der Post etwaß zahlen müssen, den Sie gleichwohl alher daß postgeld, vnd also wohl gedoppelt nehmmen.
Aus Hamburgk wird mihr vom 26. Aug: geschrieben daß zu Altona (gar nahe bey Hamburgk) ankommen wehre die königl. Dennemarkische Princessin, so den Churprintz von Heydelberck heürattett, in Begleittung der Königl. Fr. Mutter, welche die Hertzoge von Braunschweigk, Zell vnd Hanover beneventiret, wie auch Hertzogk Christian von Mecklenburgk; folgenden tages werden Sie zu Horbigk (welches Braunschweigisch ist vnd dißseits der Elbe ligett) tractiret werden vnd von dar die Königl. Fr. Mutter wiederumb zurückreisen. Man helt auch davor
daß Franckreich vnd Schweden wiederumb dürfften einigk werden, woran den sehr gearbeittett vnd große enderung causiren würde etc.
Gott verhütte allen Kriegk vnd Vnwesen, in welches Vätterliche Vorsorge zu beständiger gesundheitt Vnß alle sambtt ergebe vnd stetts Verbleibe etc.