Series VI Band 4 · No. 451₃.

Vom Ort der Welt

German

Vom orth der Welt, Hall in Sachsen gedruckt bey Christoph Bismarck in Verlegung Joachim Krusicken 1613, 4o.

Cap. 1. Die welt schwebet in nichts in der weiten unendtlichen tieffe in ihr selbst. Der mensch muß darinn nach dem leibe einen orth haben aber nach dem geiste bedarff er keines orths. Das Himmelreich ist auch nicht an orth personen und gebehrden gebunden, in iener welt werden wir geistliche leibe haben, die keine Reservaculi bedurffen, sondern Englisch seyn und mit gott wohnen in uns selbst auff der ewigen weite, da kein ende uber oder unter sich, vor noch hinter sich.

Cap. 2. Himmel und erde, wie Eyerclar und dotter, der Himmel bestehet in acht Sphaeren, wir reden hier nicht symbolice vom coelo aqueo noch von dem feurigen Himmel darinn gott wohnet, sondern von den rundten leiblichen Sphaeren.

Cap. 9. Die Unerfahrnen sagen gott müße die erde halten oder die Engel, daß sie nicht auß der mitten falle, aber nein es ist alles naturlich.

Cap. 10. Warumb solte ein geist an einen leiblichen orth gebunden seyn, da doch diese ganze sichtbare welt an keinem orth stehet, ohngeacht sie finita wie alle creaturen auch die geister selbst. Lucifer lieget zwar gebunden und geschloßen in den 4 Elementen aber das ist seine Höllenmarter. Die eüßere rundte convexitas des Himmels ist an keinem orth, sondern in abysso infinitudinis.

Cap. 11. Augustinus lib. 16 c. 9. De civitate Dei meint es sey nicht muglich das leute unter uns wohnen, fielen hinab. Er folgt seinem fleischlichen, sinnlichen auge imagination, hatte er dem vernunfftigen auge gefolget, so wurde ratio gesprochen haben, in ihm so wohl als in mir, das hinab fallen an diesem orth waere nichts anders als hinauff fallen wie die rundte kugel wohl ausweiset. Gott, Engel, welt schweben an keinem orthe, sind in ihnen selbst, alle geschopf begehren in ihnen selbst zu wohnen, mit gott, oder in gott (was nirgends ist, kan nirgends hin fallen, also die welt). Allein die teuffel und sünder suchen ihre seeligkeit von außen in den creaturen, die bösen sind exules auch bey einem konigreich, die guthen finden gott, das rechte Vaterland inwendig im geist.

Cap. 12. Wie groß die welt ist den leiblichen augen, so klein ist sie den Englischen, in geistlichen dingen, ist größe und kleinheit ein ding. Ein Engel ist noch großer als die welt, denn er begreifft, nur Lucifer ist gebunden mit ketten der finsterniß in dieser welt. Einem geist ist, remotio et propinquitas eins. Die welt ist weniger gegen die unendliche tieffe, als ein tropfen wasser gegen das meer.

Cap. 13. Die welt hat nur materie und ist doch ohne Materie gemacht. Sie komt aus den unsichtigen wassern unter dem Himmel (2. Petr. 3), war bey gott, und in seinem worth unsichtig unleiblich. Also ward sie auch in der schopfung den Engeln gegeben, da gott sprach fiat lux; da waren alle leibliche geschopf in einem ieden Engel unsichtig. Wie ein baum im Saamen, die welt war im Engel Englischerweise. Nach Nach ... Elementa am Rande angestrichen. dem fall Luciferi wolte gott auch den Menschen haben, darumb schuf er zuvor den Erdenkloß, das ist die sichtbare welt, die ist ein auswurff der unsichtbaren gestirne, welche sind wesen der Engel, ausgetheilt in die 4 Elementa als die matrices aller sichtbaren dinge, was in gott war ewig, kam in die Engel durchs worth, aus den Engeln in die unsichtbaren vier Element und sterne und auß den sternen unter unsere augen in die welt sichtig. Dieser fumus coagulatus von den unsichtbaren astris hat in sich sulphur sal et Mercurium.

Ein mensch ist des gleichen ein ausswurff von seinem inwendigen sidereo corpore oder astro. Ein iedes astrum will sein corpus haben, und wie ein holz durch feuer dissipirt ward, so werden die sichtbaren corpora wieder zu nichts, und so wird es der ganzen welt ergehen.

Cap. 14. Vor der schopfung der leiblichen welt war kein orth sondern abyssus infinitudinis, also wird es nach zerbrechung der welt seyn, daß die creaturen sind, hat gott in seiner tieffe nichts gegeben noch entnommen, er ist wie er gewesen, unwandelbar gleich wie die Sonne bleibt in ihrem liecht und wesen, ob sie von lebendigen creaturen gesehen wird oder nicht. Es ist allbereit vor den augen gottes und der Engel wie es zuvor war, aber nicht vor den teüffeln, auch nicht fur den gottlosen, auch nicht fur die gläubigen die die erlösung erwarten. Die Engel sind keiner Veränderung unterworffen, noch in der welt eingeschloßen, wohnen in gott, und durchdringen alles ohne hinderniß. Nach der welt wird eine ewige weite seyn ohne ende, darinn Engel und Teuffel, Verdamte und Seelige; wie auff einem saal hungrige und satte, frohliche und traurige, die seeligen in gott, die Verdamten außer gott, nehmlich nicht in dem willen gottes, in dem rechten paradeiß. Das paradeiß oder Christus oder das reich gottes ist in uns, dürffen derowegen den Himmel nicht hie und da suchen, sondern müßen ihn in uns fühlen und schmecken. Wir werden gott nicht sehen in ienem leben außer uns an einem gewißen orth, sondern in uns von angesicht zu angesicht. Weder die seeligen werden in einem schöhnen conclavi seyn, noch die Verdamten in einem eingesperrten orth. Beyde sind in einer weite, aber mit einer Klufft unterschieden so gar nicht leiblich ist. Die Scheidemauer und das feurige Schwerd vor dem Paradeis gehenget, bleibet denen ewiglich die sich nicht durch glauben mit Christo vereinigen. Jeder verdamter trägt die hölle, und ieder seelige den Himmel bey sich: Unser Vaterland ist nicht Europa, oder Teutschland, oder Leipzig, sondern gott darinn wir leben, und darauß wir nicht können verjaget werden. Können auch gottes worth nicht verlieren, obschohn Nachtmahl, tauffe, und äußerlich Predigamt entzogen worden. Wer spricht daß er gottes worth verlohren habe, der hat es noch nie geschmeckt, wer sagt daß er verjagt sey, der kennet seyn Vaterland nicht. Boetius sagt recht daß kein weiser mann könne ins elend vertrieben werden. Ein Christ aber ist der weise mann, ob er kind, weib, hauß und acker verlieret, hat er doch nichts verlohren. Christus ist die tauffe, und das Nachtmahl und das worth selbsten.

Cap. 15. Die holle ist kein orth unter der Erde da feuerflammen herausspringen, noch der Himmel ein beschlossener orth über dem firmament. Sie meinen Sonn, sterne, Erden sollen bleiben und nur geläutert werden. O der großen einfalt, der seeligen sonne ist gott, den Verdamten ist die Sonn nichts nuze. Luciferi Hölle ist iezo die welt, die teuffel wohnen im wasser, im feuer, in den vier Elementen, die auch geister seyen. Nach dem jungsten tag wird er loß, und bleibt doch verdamt in sich selbsten.

Cap. 16. Nuzliche lehren folgen, 2) daß die welt wie auch die Erde auff keine Seite konne fallen, 3) daß sie frey in ihr selbst schwebe ohne stuzen, 4) daß nach zerbrechung der welt nichts materialisches werde ubrig bleiben sondern eine weite, darinn Himmel und Hölle, fromme und bose, doch mit einer ewigen klufft unterschieden, 5) daß keine orther und stellen seyn fur gott und den Engeln, 6) daß man nicht zu gott dürffe treten ratione loci sondern affectus, 7) daß gott uns iezo eben so nahe sey, als im zukunfftigen leben, 8) daß man gott im ewigen leben nicht an einer gewißen stelle sehen werde, sondern in ihm selber, daß das himlische Jerusalem in uns sey, 9) daß der Himmel und das reich Gottes Christus und Paradeiß an keine äußerliche orth oder caeremonien gebunden, 10) daß ein Christ des worths gottes durch keinen Menschen noch teuffel könne beraubet werden, 11) daß der Himmel und unser Vaterland in uns sey, und kein exilium statthabe, 12) daß es narrisch sey, nach land und leuten, stadten, ackern, geld trachten, denn die Erde nur ein Punct gegen dem Himmel, und die welt selbst ein nichts, und nichts wird gegen dem auswendigen Himmel, alles was außer uns, ist nicht unser. Unser Vaterland indes begreifft alle dinge, 13) daß der Himmel der seeligen und Holl der Verdamten kein leiblicher beschlieslicher orth sey, sondern wie sich ein ieder abwendet durch die sunde oder zukehret durch den glauben, also wird er in sich selbsten finden Höll und Himmel, 14) daß die welt die weisheit Himmel und Christum vergebens suche in auswendigen dingen, 15) daß alle creaturen in Gott schweben, solches aber den Verdamten nichts nuze zur seeligkeit, 16) daß Christi Hollenfarth und Himmelfarth nicht sey geschehen localiter, denn seine hollenfarth ist daß sich gott in unser irdisch fleisch ließ, in jammer angst, noth todt, und durch sein werck des teufels willen zerstorete, 17) das im geistlichen wesen und nach hinnehmung der welt nicht seyn zu finden die sechs theile als eigenschafften der örther (+ gegenden +) als über sich, unter sich, für sich hinter sich, rechts oder lincks. Das gott uber uns, Christus zur rechten gottes, die teuffel und verdamten unter den fußen der seeligen ist zu verstehen non ratione loci aut spatii, sed beatitudinis.

Cap. 17. Nichts mag ruhen oder seelig seyn es sey denn an seinem bestimmten orth. Der wille gottes oder Christus ist der orth aller seeligen darinn ruh. Joh. X, daher finden sie die verdamten nimmermehr. Zwar alles ist und lebet in Gott Act. XVII, Gal. 5 auch die verdamten mit ihrer Hölle; aber wenn ich mir so weit entnommen werde durch den glauben, daß auch Gott in mir stehet, lebet, schwebet, und herrschet, dann bin ich seelig. Gott ist ein wesen aller creaturen. Die vernunfftige creatur hat einen freyen willen wie gott. Gottes wesen ist nicht geschieden von seinem unwandelbaren willen, wie wohl ~~Gott von sich selbst nichts will, er wird erst von der creatur wollende und zum willen* (+ hoc non satis probo +), gleich wie die vernunfftige creatur das* *wesen von gott hat, so will er auch daß sie den willen von ihr habe, ja er will ihr wille selbst seyn, ~~sie sie ... beste am Rande angestrichen. soll sich des willens nicht anmaßen, so wird gott alles in* ihr wollen, und dazu das beste, das ist die gelaßenheit verleügnung seyn selbst, glaube an Christum. Eigner wille ist creaturlich und Natürlich, creatur und natur macht nicht seelig, sondern der glaube, und Neüe geburth, wo der geschaffne wille würcket, da mag der wille gottes nicht geschehen. Were eigner wille nicht, so wäre auch keine Hölle sondern lauter Himmel. (+ baum des erkentnuß guthes und böses +.)

Cap. 18. Lucifer ist auß dem Himmel und Adam aus dem Paradis vertrieben worden ohne veränderung des orths. Die creatur ist ein schatten oder bildniß des ewigen selbststandigen wesens, sonderlich die vernünfftige. Das ewige, wurcklose, selbständige, endlose, wahrhafftige, ungeschaffene, ungebohrene wesen oder guth, hat von ihm selber aus seinem wesen gebohren ein ander wesen, sich darinn dadurch und damit zu eröfnen, und alle ding ins wesen zu ruffen, es sey sichtbar oder unsichtbar. Dieß gebohrne ~~wesen*, weil es nicht von ihm selbst ist, und nicht sein selbst wesen, wie das* *ungebohrne, wird billig genennet ein bildniß, ein Sohn, ein glanz, oder außschein der gottlichen Majestät, ein worth, arm, will, gesez gottes, denn darinn laßet sich das ewige und ungebohrne schauen von angesicht zu angesicht, dadurch schaffet und regiret Gott alle dinge als durch seinen arm, hand und werckzeüg; solches heist der ~~erstgebohrne aller creaturen*. Wer mit diesem nicht gleichförmig, der wird verstoßen aus dem himlischen paradeis, in dieser bildniß gottes soll die creatur leben, das ist sie soll die Natur und eigenschafft eines bildniß behalten, und sich des willens nicht annehmen, sondern denselben frey lassen, unter gott schweben. Sonst wird man gesondert von Christo, verlieret das bildniß gottes und wird gejagt aus dem himlischen Paradis, das ist die sünde und der fall, auß dem himmel in die holle, auß dem liecht in die finsterniß, aus dem leben und seeligkeit in todt und verdamniß. Drumb ist die sunde nicht eine substanz oder wesen, noch der fall eine änderung des orths, sondern des willens und accidents. Gott bringt es keine änderung, aber der ungehorsamen creatur ist sie eine angst und verdamniß, wie denn billig ist daß sich das böse muß selber straffen. Dem Lucifer ward sein Himmel in ihm verwandelt in eine finstere welt. Es Es ... dieser Welt am Rande angestrichen. ist wohl wahr ehe die welt geschaffen ward, da war Lucifer noch nicht gebunden an den orth der welt, und war doch gleichwohl in seiner Holle, denn seine Holle ist in ihm, also wird es ihm auch gehen nach dieser welt. Im menschen sind alle gaben Gottes nach dem fall noch vorhanden, die unwißenheit machet wehnen es sey alles verlohren durch die sünde. Kehre dich nur zu Christo in den innigsten grund durch dein selbst absterben, so wirstu bekennen, daß das reich gottes in dir sey, und alle ding in Christo.

Cap. 19. Alles begehren seuffzen und lauffen der creatur geschicht umb der ruhe willen, und doch ist dieselbe nicht von außen zu erlauffen, sondern wird von innen erfeyert und erwartet. Gott ist die ewige ruhe, wurckloß (+ non probo +) ein angenehmer süßer stillstand. So bald die creatur sich eignes willens annimt wird sie unruhig, laufft nach der ruhe, wenn es muglich wäre daß die Verdamten kondten von ihrem lauffen ablaßen, sich selbst haßen und verleugnen, und mit Christo ersterben so wurden sie in den Himmel oder das innere Vaterland kommen, aber schwehr ist von sich selbst laßen, wenn man sich einmahl liebgewonnen.

Cap. 20. Die ewige holle der Verdamten ist ihre eigne liebe gegen sich selbst, und der haß gegen das hochste guth. Der Mensch kan sich der liebe nicht erwehren, es ist ihm angebohren, wenn er des geliebten theilhaftig wird, ist ihm wohl. Ein iedes begehrt des guthen als seines ursprungs; aber die bösen nemen und suchen sich selbst durch eigne liebe und nicht den bloßen gott, das ist die holle uber alle holle und das gröste herzeleid, das allerliebste und allerbeste das gott ist hassen, so doch nicht allerdings mag gehasset werden, es ist wie ein fieber, da hize und kälte mit einander streiten und den Menschen peinigen. Die liebe gottes peinigt auch in dem haß den Menschen, ie mehr der den er haßet lieblich ist. Wer sich selbst liebet, oder nicht haßet, der haßet gott, wer gott haßet nicht als guth sondern als gerecht den peiniget sein haß, denn er erkennet durch das natürliche füncklein, daß sein haß böse ist, ihre pein damit zu der ehre gottes, ihr lästern ist ihre pein, und straffe, also gottes ehre. Ie ungedultiger sie in der pein ie weher thut sie ihnen. Sie mochten vor bosheit zerspringen, wolten gern nicht seyn, wenn es müglich wäre den haßen, den man lieben muß, zurnen wider den, dem nicht zu widerstehen, das ist die Holle.

Cap. 21. Ie mehr die verdamten sich selbst lieben, und auß der Hollischen quahl verlangen, ie großer ist ihre pein, als welche auß eigenlieb entstehet. Die gott zu gleich haßen und lieb haben, sind gegen einander. Der Kampf mit sich selbst ist das so quählet. Das füncklein oder den gewißenswurm mag niemand außtilgen. In den verdamten ist nicht eine liebe der freundschafft, sondern der begierligkeit, nicht der gnade, sondern der Natur, nicht der freude sondern der traurigkeit. Gott ist aller wesen wesen, und doch weder dieß noch das, weder heut noch morgen, sondern ewig. Was dieß oder das ist, heut oder morgen, ist an sich selbst nichts, wer nur sich selbst liebet, streitet gegen sich selbst und richtet nichts, macht seine pein, durch seine liebe.

Cap. 22. Nach dem jungsten tag da die welt samt der Zeit aufgehoben, werden wir schweben in gott mit einem ubernaturlichen neuen himlischen verclarten leib, ohne orth und Element. Es ist ein vergeisteter und vergötteter leib, aus der neuen geburth, aus dem fleische Christi nicht Adams. (: ad marginem: Wie Christus gott und mensch ist ohne Vergöttung seiner Menschheit, also alle gläubigen behalten die menschheit ohne vermischung mit dem geist zum unterschied der Engel. :) Das thier komt nicht in den Himmel sondern der Mensch. Der leib aus Adam ist nicht der Mensch. Die fleischpazen, weil Job sagt, ich werde mit meinem fleisch gott sehen, und das symbolum eine aufferstehung des fleisches lehret, so meinen sie ihren naturlichen groben Adamischen leib. (: In margine: Das fleisch Adae wird erweckt zum gerichte in guthen und bosen, wir mußen alle im todtlichen Adamischen fleisch vor das gerichte mit guther vernunfft und sinnen (+ forte intelligit mortem per judicium +) aber nach gehaltenem gerichte fallet der Adamische leib ab, und alleine der neue himlische leib komt mit Christo in sein reich. An den verdamten felt auch der adamische leib ab, mit den Elementen und mit ihren ewigen leibern werden sie geworffen in den feürigen pfuhl. :) (: In margine: Theophrastus in Sagaci es ist ein Unterschied zwischen erstehen und aufferstehen. Erstehen das ist erweckt werden müssen wir alle da muß der tödtliche leib wieder zur seele komen fur das gerichte ohne allen mangel ganz starck wohlbesinnt. Aufferstehen gehet nur die gläubigen an, so mit Christo in das reich gottes gehen und den Adamischen leib fallen laßen. :) Wozu soll in jener welt die Zunge oder das Reden dienen, was wiltu einen bekandten fragen da keine zeit, was du ihm sagen woltest, sagt ihm gott so wohl als dir; du kanst nicht fragen wie es auf der erde zugehe, sie ist hinweg; es ist nichts zukünfftig, sondern du hast alles gegenwärtig.

Cap. 23. Es wird auch in ienem leben keine erkandtniß seyn der sprachen kunste und facultäten. 1. Cor. 13 es werden auffhohren weissagungen, sprachen, erkändtnüß, wären wir blieben im paradeiß im innerlichen Menschen, so waren keine sprachen, Grammatik, Dialektik, Astronomie, Arithmetik, Medizin, Jurisprudenz. Auß dem Verbothenen baum sind die sprachen und kunste kommen, und der Mensch dem gestirn unterworffen. Die Weltkinder suchen ihr paradeis an den verganglichen kunsten, sie sind vielen eine hinderniß ad Sophiam Christianam. Die kunste und beredsamkeit thun es nicht, Christus will einen Neuen Menschen haben, darinn er selbst sey der Theologus und Prediger. In diesem leben ist noth die schrifft zu sehen und nichts zu erspahren ad Academiam aeternam, gleich als ob man da wurde professores halten. Wir mussen alle von gott alhier gelehret werden und was die salbung lehret, das ist recht, was ich hie lerne wird mir dort ~~nüz seyn*.

*Cap. 24. Im himmelreich ist kein furst noch bischoff, sondern mensch und lehrer, nehmlich gott: der fall ist kommen von eignem willen, hat eigenthum und obrigkeit gemacht, der eigennuzigen menschen bosheit zu wehren und sie wieder in das innere zu fuhren. Aber in ienem leben da der eußere mensch gezogen in den inneren, und ganz vergottet oder vergeistet (: in margine: doch nicht mit Verlierung der ewigen Menschheit aus Christo, denn ~~der* ewige leib wird verclart seyn wie in Christo :) so wird man keine lehrer noch obrigkeit bedurffen.

Cap. 25. In jenem leben wird kein unterschied der Nahmen noch standes seyn, da heißet niemand weder Paulus noch Maria. (^&.!! ) Wir werden alle eins seyn im Herrn. Du sprichst: Moses und Elias sind aus dem paradis wieder kommen. Antwort, weil sie leiblich erschienen musten sie auch mit nahmen genennet werden zum unterschied umb der junger willen. Es wird auch Christus selbst nicht mehr seyn nach dem fleisch (: ad marginem: das ist nach dem stande seiner erniedrigung wie er in der welt war :) sondern das reich seinem Vater uberantworten muß das gott selbst sey alles in allem, 1. Cor. 15. Daß die Engel im Himmel heißen Seraphim, potestates, sind nicht ihre Nahmen sondern nahmen des amtes und ordnung von Menschen angedichtet als wir den gestirnen nahmen geben.

Cap. 26. Zu bedencken was heiße im Himmel oder in der Holle seyn. Ein Punct ist ein orth aller linien: das Eins aller Zahlen, der wille gottes aller seeligen. Der wille gottes ist Christus, Gott fur sich selbst in ewigkeit ist willenloß, aber in den creaturen und Christo furnehmlich wird er wollend. In der holle seyn ist nach eignem willen leben abgetheilt vom centro Christo, außer welchem keine ruh.

Cap. 27. Gott ist nicht allein ein centrum sondern auch ein Ziehl aller geschöpfe, wie Christus sagt ich bin in Christo und Christus ist in mir, also wenn wir nach dem willen gottes leben, sind wir nicht allein in gott, sondern gott ist auch in uns. Der teufel ist unter uns, aber wenn wir mit ihm gleiches willens, ist er auch in uns. Gott und Lucifer sind neben ein ander, Christus und der teuffel in der wusten.

Cap. 28. Obgleich die Vereinigung der geister liegt am willen, mag sie ihm doch niemand selbst geben noch die wiedergeburth würcken, sondern Gott wenn nur der Mensch ruhet, und sabbat hält; es muß gestorben seyn, es muß gelaßen seyn, soll anders gott in dir Mensch werden. Am Rande: ^&.!!

Cap. 29. Die seele ist naher als der leib, aber gott ist mir noch näher als die seele.