Series VI Band 4 · No. 423₁.
Sonderbare Erklärung der Offenbarung
Weil ich sehe daß viel gottesfürchtige und wohlmeinende Leute sich durch falsche oder doch sehr ungewiße erclärungen der offenbahrung Johannis verführen laßen, so gar daß auch empöhrungen, meutereyen und allerhand weit aussehende anschläge, daher entstanden; auch einige unterm schein göttlichen befehls sich erkühnet Königen und Fürsten vorzuschreiben was sie thun solten, und auf den weigerungsfall oder sonst die gemeine gegen sie zu erregen. So will ich eine sonderbare erclärung der offenbahrung alhier mit wenigen beybringen, welche diesen gefahrlichen gedancken auf einmahl alle gelegenheit abschneidet. Nicht daß ich diese erclärung vor die gewißeste und beste halte; sondern damit man sehe wie so gar leicht sey, wenn man belesen, und hurtige einfalle hat, etwas artliches aus dem text und historien zusammen zu reimen.
Ob die offenbahrung von Johanne dem Evangelisten und Apostel, oder Johanne Presbytero hehrrühre, ist bereits vor alters gezweifelt worden, wie dann auch Lutherus solchen streit nicht erörtern wollen. Es sey aber dieses buch von wem es wolle, so ists auf eine herrliche und ganz entzückende weise geschrieben; sonderlich zu trost der Christen, welche verfolget wurden von den Heyden; wie es dann auch zweifels ohne ein großes vermocht sie zu stärcken und freudig zur marter gehen zu machen.
Ich seze demnach zum fundament das was man füglich von denen zeiten so Johanni
am nächsten verstehen kan auff die dinge nicht zu ziehen so sehr weit davon entfernet.
Vors andere durch Babylon sey Rom zu verstehen, und die zahl des thieres nehmlich
sechshundert sechs und sechzig so eines menschen zahl, nehmlich wie bereits Irenaeus
(so der Apostel discipel gesehen) es ausgeleget,
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Was nun vom fall der babylonischen huhre prophezeyet wird haben die ersten Christen von zerstörung des Heydnischen Roms verstanden.