Series II Band 3 · No. 155.
JOHANN CHRISTIAN SCHULENBURG AN LEIBNIZ
Bremen, 31. Januar (10. Februar) 1698. [165.]
HochEdler HochAnsehnlicher und Fürtrefflich=Gelehrter,
Hochberühmter herr Raht Hoher herr und Gönner!
So unglücklich für etwa drey oder vier Jahr, da ich von Nürnberg, Ihrer Excellenz, gehorsahmst auffzuwarten, durch Hannover auff Bremen reisete, dero damahlige Abwesenheit mich gemachet hat; So glücklich bin ich nachdem unbekandter weise durch Vermittelung Etzlicher Wehrten Gönner, welche mich nicht allein Ihres recht herzlich erwünschten Angenehmsten Grußes, sondern auch Ihrer Hohen Affection und Großen Zuneigung versichert haben, erfreuet worden. Ich gestehe wohl, daß, als mich Mons. Sanders, der von Halle kommend sich einige Wochen zu Hannover verweilet, auffs neue mit Ihrem hohen Gruße beglückseeliget hat, er mich zu einiger, meiner seits zwar wenigen und geringen correspondence nach Ihrem hohen befehl antreiben wollen, ich eines theils mich wegen der großen Ehre, deren mich gahr nicht würdig schätze, gewißlich recht erfreuet, eines theils aber auch, und meistens, unglücklich geschätzet habe, weil dero hohen weit und weltberühmten unvergleichlich tieffen und nicht gnug zu bewundernden wißenschafft meine ganz leichte und allerschlechteste Feder gar nicht die geringste Satisfaction geben kan, zumahl ich bey meiner fürnehmlich jezo sehr schwachen und fast ganz schwindsüchtigen Constitution, unter meiner schlavischen allzuschweren und meinen wenigen kräfften übel proportionirten Schul-Arbeit, die mich täglich mehr und mehr abmattet, zu nichts rechtschaffenes tüchtig bin; doch gratulire ich mir quam impensissime Meines Hochgeneigten herrn Rahts unverdinter hohen Affection, von welcher ganze Ströme der Weißheit auff mein dürres Stück= und Anfangs=werk reichlichst flißen können. In magnis voluisse sat est! Gott gebe, weil ich dises noch im ersten Monaht des Jahres schreibe, daß Mein hochgeneigter herr Raht, in allem leibl. und Geistl. Leibes und Seelen heil-gedeien mit starker kraft vom himmel herab, zu dero hohen Landes Obrigkeit sonderbahrer Stütze, der ganzen gelehrten Welt fürtreffliches Auffnehmen, zu selbsteigenen hohen Vergnügen, und aller Clienten, auch meiner eigenen Freude und Wohlfahrt mögen überschüttet werden. In welcher Zuversicht M. h. H. Raht in des Allerhöchsten Schutz empfehlend verbleibe
Ihr. Excellenz dinstbereitwilligster M. J. C. Schulenburg, Rector Reg. Athen. et Schol. Cathar. Br.
Br. d. 31. Jan. 98
P. S. In disen beyden Disputation ist die bloße Rede ad Respp. meine Arbeit, ut ipsi monstrant paginae.