Series II Band 3 · No. 105.
GABRIEL WAGNER AN LEIBNIZ
Hamburg, 6. (16.) März 1697. [103.107.]
HochEdler, Vest= und Hochgelehrter Herr, Hochgeneigter Hr. HofRaht
Das glük hindert mich ziemlich, di bedienung bei dem Hrn. Grafen anzutreten, u. welches das meiste, dem Hrn. HofRaht aufzuwarten: di flüße haben mich von neüen so hart überfallen, daß si nicht nur durch zähe schmerzen, von denen ich doch «(die» erste jugend ausgenommen) jeder Zeit frei gewesen, den bakken sondern auch das eine auge so stark aufgetriben, daß ich einer misgeburt ähnlicher als einem menschen gesehen, nun 5 tage: alle andere Zufälle zuerzehlen, ist unnöthig. Hibei befürchte nun, dass der Hr. Graf ungedultig worden, u. eine ungnade auf mich werfen möchte ehe ich einmal zu ihm komme: bitte derowegen gehorsamst, bei gelegenh. alles gut zumachen, u. unbeschwert zuberichten, wi er gesinnet sei. Indem ich aber zum schreiben wenig ruhe habe, schließe ich, u. befehle mich Ihrer hohen gewogenheit,
als M. Hochgeneigten Hn. HofRahts unterdienstl. G. Wagner
Hamb. 6. Merz 97.
P.S. Solte ich wieder gesund werden, ehe ich von Ihnen antw. bekähme, wil ich mich doch auf di reise machen, in hofnung, der Hr. Graf werde noch vorigen sinnes sein u. di Verzögerung, di von mir nicht herrührt, mir nicht zurechnen. Dise ungelegenheit ist mir auch verdrieslich, daß bei disem Zustande, di reisegelder ziemlich drauf gehen u. di itzigen Zuhörer, nach ankündigung des abzuges mich nicht bezahlen wollen, mich dadurch zwingen bei ihnen zubleiben; weswegen si mir auch noch 100 Thl. jährl. zulegen wollen, u. auf allerlei art Bükenburg zu verleiden suchen; doch hab ich mich bei ihnen auf keine Zeit verbunden, bleib also frei, u. des sinnes, zureisen, so schier ich gesundh. wegen geschikt bin.
Mein Brief ist abzugeben, auf dem H. Geist Kirchhofe, bei Hrn. Putensen.