Series II Band 2 · No. 206.
LEIBNIZ AN EHRENFRIED WALTHER VON TSCHIRNHAUS
[Hannover, 30. Januar 1693.] [203.217.]
[ ... ] Weil Mein hochwerthester H. so viel liecht in der Naturkundigung erlanget, so bitte ich sonderlich auch auff Medicinam Corporis mit mehreren zu gedencken; und darinn den überschwencklichen nuzen und gebrauch Medicinae mentis zu zeigen.
Was Sie sonst de Cabala gedencken, daß dadurch die grösten geheimnißen zu entdecken, verstehe ich de Cabala sapientum das ist Characteristica, deswegen sie meine gedancken wißen. Solten sie aber noch eine andere Cabbalam meinen, so werde erläuterung dero verstandes erwarten. Sonst wäre freylich wohl zum hochsten zu wündschen, was Sie gedencken daß ein forum sapientiae wäre, welches nicht weniger [bestehen] würde, als die Leipzigische Meße. Ein baar arcana lucrifera wären guth dazu, aber darauff muß man nicht warten. Inzwischen können briefe auch etwas thun; aber die solche schreiben können wie mein hochwerther Herr deren sind wenig oder vielleicht niemand in teutschland. Ich zweifle nicht, es werden nach der zeit da M. h. H. ich nicht gesehen, Sie noch ein viel größer liecht erlanget haben, zumahl in physicis, und da steckts am meisten. Kondte man dermahleins einige guthe abreden nehmen; so zu unser vergnügung und gemeinen Nuz dienen möchte, so wundsche dazu gelegenheit von herzen.
(: Den