Series II Band 1 · No. 84.
LEIBNIZ AN HERZOG JOHANN FRIEDRICH VON HANNOVER
[2. Hälfte Oktober 1671.] [63.112.]
Weil mir daß Glück die gewündschte gelegenheit gegeben, E. Hochfürstl. Durchlt unterthänigst alhier auffzuwarten, habe ich solche billich mit beyden händen ergreiffen und zuförderst Deroselben vor die erzeigte hohe unverdiente Gnade unterthänigsten Danck sagen, dagegen auch zu allen müglichsten Diensten mich schuldigster maßen offeriren wollen.
Und damit E. Hochfürstl. Durchlt beßer dero hohen judicio nach urtheilen möge, worinn meine wenigkeit derselben und dem publico dienen könne, als habe mich erkühnen wollen doch mit gnädigster permission, derselben von meinen geringen intentionen und studiis eines und daß andere mit unterthänigsten respect zu referiren.
Zuförderst, weil mir meine Eltern zeitlich gestorben, und ich fast ohne einige direction meiner studien gewesen, habe ich das glück gehabt, vor mich über Bücher von allerhand Sprachen, Religionen, und Scientien, wiewohl ohne gebührende ordnung zu kommen, und solche anfangs nur aus trieb der delectation zu lesen, davon ich aber unempfindtlich den nuzen geschöpfet, daß ich von gemeinen praejudiciis befreyet worden, und auff viel dinge kommen, daran ich sonst nimmermehr gedacht hatte, und weil ich fast propria speculatione philosophiam und jura lernen müßen, wie ich denn im 17. Jahr Magister Philosophiae und im 21. D. Juris worden, und beyderseits ungemeine testimonia ohne ruhm zu melden erhalten, so habe ich auch dabey diese und andere scientien aus dem fundament zu untersuchen mich bemühet, und nun verhoffentlich in Theologia, Jure und Philosophia solidiore, einige dinge mit Gottes hülffe funden, an deren ausarbeitung Reipublicae civili et literariae vielleicht gelegen, von denen einige ich, doch nächst abermahls gebethener Gnädigsten Permission erzehlen will.
In Philosophia habe ich ein mittel funden, das jenige was Cartesius und andere per Algebram et Analysin in Arithmetica et Geometria gethan, in allen scientien zuwege zu bringen per Artem Combinatoriam, welche Lullius und P. Kircher zwar excolirt, bey weiten aber in solche deren intima nicht gesehen. Dadurch alle Notiones compositae der ganzen Welt, in wenig simplices als deren Alphabet reduciret, und aus solches alphabets combination wiederumb alle dinge, samt ihren theorematibus, und was nur von ihnen zu inventiren müglich ordinata methodo mit der zeit zu finden ein weg gebahnet wird. Welche invention, dafern sie wils Gott zu Werck gerichtet, als mater aller inventionen von mir vor das importanteste gehalten wird, ob sie gleich das ansehen noch zur zeit nicht haben mag: Ich habe dadurch alles was erzehlet werden soll, gefunden, und hoffe noch ein mehrers zu wege zu bringen.
In philosophia naturali bin ich der erste vielleicht, so vollkommen demonstrirt, terram moveri, item dari vacuum, nicht durch experimenta, denn die thuns nicht[,] sondern demonstrationes geometricas, dieweil ich de natura motus etliche propositiones bewiesen, so noch niemands in gedancken kommen.
Ich habe eine Hypothesin publicirt, welche so clar und leicht die ursach giebt, des Gewichts, der Feder und des Compaßes, und auß diesen ferner fast aller hauptsächlichen phaenomenorum der natur, daß es auch die exteri dafür erkennet, und in specie ein vornehmer Mann Soc. Ies. welcher einer ihrer considerabelsten Gelehrten ist aus Italien mir geschrieben, daß er noch niemahls einige ihn mehr contentirende Hypothesin gesehen. Aus England habe ich gar favorable judicia erhalten, und ist meine Hypothesis drinnen alsbald nachgedruckt worden.
In Mathematicis und Mechanicis habe ich vermittelst artis combinatoriae einige dinge
gefunden die in praxi vitae von nicht geringer importanz zu achten, und erstlich in Arithmeticis
eine Machine, so ich eine Lebendige Rechenbanck nenne, dieweil dadurch zu wege
gebracht wird, daß alle zahlen sich selbst rechnen, addiren subtrahiren multipliciren dividiren,
ja gar radicem Quadratam und Cubicam extrahiren ohne einige Mühe des Gemüths, wenn man
nur die numeros datos in machina zeichnet, welches so geschwind gethan als sonst geschrieben,
so komt die summa motu machinae selbst heraus. Und ist der nuzen noch dazu dabey, daß
solange die machina nicht bricht, kein fehler in rechnen begangen werden kan; welches was für
einen Nuzen in Cammern, Contorn, re militari, Feldmeßen, Tabula sinuum und Astronomi
habe, und wie großer mühe es die Menschen überheben könne, leicht zu erachten.
Ein ander Instrument, so ich ebener maßen eine Lebendige Geometriam nenne habe
ich ex eodem fundamento gefunden, dadurch die ganze Geometria quantum ad usum vitae auff
einmahl perficirt, und ein mittel gegeben wird aller erdencklichen linien und figuren, sie
mögen so krumb seyn als sie wollen, inhalt, additiones und multiplicationes, auch proportiones
und veränderungen in einander ohne einiges kopfbrechen dergestalt mechanice (wo es anders
als mechanice in der natur nicht steckt) zu finden, daß man eines mehrern so wenig als iezo
Quadraturae Circuli ad praxin vonnöthen habe, welches von weit mehrer importanz ist, als der
proportional Circel oder andere bishehrige instrumenta.
In Opticis habe ich entdecket erstlich 1) ein gewißes Genus Tuborum oder Lentium, so
ich Pandochas nenne, dieweil sie das ganze objectum uniformiter faßen, und nicht weniger
die strahlen extra axem opticum als in axe optico distincte colligiren, dadurch das jenige, was
man bishehr vergebens gesucht, zuwege gebracht wird, wie nehmlich den vitris objectivis eine
so große apertura gegeben werde, als wir wollen, umb der strahlen desto mehr damit zu faßen,
2) Tubos Cata-dioptricos, da in einem tubo Spiegel und perspectiv mit einander conjungirt,
und dadurch viel sonst unvermeidtlich drauff gehende strahlen, zum wenigsten noch
einsten soviel als iezo müglich, erhalten werden, 3) Ein mittel so bishehr vergeblich gesucht
worden, mit perspectiven aus einem stand zu meßen, ich höhre daß dergleichen auch
andere tentirt, welcher gestalt aber, habe noch von keinem Menschen verstanden, und dahehr
per artem Combinatoriam gefunden.
Eine vollkommene Practische Demonstration eines längst gesuchten Mechanischen
wercks will ich nicht nennen, bis ichs wils Gott in der that exhibirt, umb für keinen Auffschneider
angesehen zu werden.
In re Nautica mangelt mir eine genaue erkundigung eines einigen experiments, so für
wahr vorgegeben wird, wenn solches wahr, so will ich die Longitudines vollkommen zu finden
demonstriren, und ein Mittel an die hand geben, dadurch man im schiff ohne hülff Sonne Mond
und Sternen, als die man nicht allezeit observiren kan (darauff doch Hugenii viel gerühmte
invention allein beruhet) [den] orth da man ist, gewiß wißen könne; und wenn auch gleich
solches Experiment den stich nicht halten, und nicht allerdings accurat seyn solte, wird doch
diese invention die accurateste und doch universaleste seyn unter allen die wir haben.
In Hydrostatica oder Waßer-Kunst, habe ich das verlohrne inventum Drebelii mit
einem Schiff unters Waßer bey Sturm (denn es unterm waßer ganz still), oder Seeraubern, und
nach belieben wieder herauff zu gehen, so Mersennus vergeblich nachthun wollen, restituirt.
In Pneumatica oder Lufft-Kunst habe ich ein mittel gefunden, dadurch in eine Büchß
oder andern Recipienten 1000 und mehr mahl mehr lufft als iezo, doch mit geringer gewalt,
gepreßet und also eine krafft zu wege gebracht werden könne, der bishehr in der welt nichts zu
vergleichen, auch so höher zu treiben als das Büchsenpulver selbst, in welchen die Lufft bereits
von der natur zusammen gepreßet worden. Eben diese Preßung ist auch mit Waßer zu
practiciren, dadurch Sprizen zu wege zu bringen, dergleichen noch nicht gesehen worden, und
eine solche gewalt zu erlangen, daß man mit derselben in der See gegen den Wind selbst segeln
könne, und so wenig auffgehalten werde, als ein Canonen Schuß von contrari Sturme.
Aber von Mechanicis will ich ferner nichts gedencken, bis ich die demonstrationes in praxin selbst werde transferiren können.
In Philosophia Morali und Jurisprudentia habe ich vor erstlich Elementa Juris Naturalis,
so ein kleines werck seyn, aber viel [in sich] begreiffen wird, mit solcher clarheit und
kürze, daß auch die wichtigsten Fragen Juris Gentium und publici von ieden vernünfftigen
Menschen, wenn er nur dem darinn vorgeschriebenen Methodo folgen will, erörtert werden
können. Und dann Elementa Juris Romani hodierni, daß man alle deßen fundamenta in
einer einzigen tafel vor sich haben, und durch deren combination in casu proposito vorgeschriebener
Methodo gemäß alle vorgegebene Fragen nach den Gemeinen Römischen Rechten
auflösen könne. Solche Elementa Juris Romani werden mit einem Nucleo Legum Romanarum
ipsis earum verbis contexto authentisirt, darinn in natürlicher ordnung clar und kürzlich
begriffen alle das jenige so in Jure Romano annoch vim Legis haben kan. Endtlich kan ich
Mittel den Process zu contrahiren an die hand geben, dergleichen bishehr nicht gebraucht
worden, denn die Proceß-Ordnungen insgemein den fundum calamitatis nicht rühren, sondern
nur externa Emplastra appliciren, in dem sie die partheyen zwingen, zu gewißen zeiten zu
erscheinen, gewiße fatalia in acht zu nehmen, eine gewiße Anzahl schrifften zu wechseln, und
dergleichen, so etwas aber nicht alles hilfft, bisweilen auch wohl schadet, als zum exempel
wenn bisweilen die ausführung der innocenz mehr schrifften als die gemeine Anzahl mit sich
bringt, erfodert, aber die Form und Weise zu ratiociniren und die wahrheit zu eruiren, dadurch
die disputen in die eng getrieben würden, einer nicht einerley offt vorbringen, keiner gegentheils
argumenta oder responsiones mit stillschweigen übergehen, auch keine parthey ihr recht
zu allegiren vergeßen oder betrogen werden köndte, und wenn sie gleich den elendesten und
gegentheil den besten advocaten hätte, dieses sind dinge so nicht allein müglich sondern auch
Leicht, und doch nirgend proponirt.
In Theologia Naturali kan ich ex natura motus in physicis a me detecta demonstriren
daß motus, in corporibus per se sumtis nicht seyn könne, nisi accedat mens; daß eine Ratio
ultima rerum seu Harmonia Universalis, id est Deus seyn müße, daß solche keine Ursach der
Sünden, und dennoch Peccata poenis semet punientia et compensantia der Harmoniae Universali
gemäß seyn, sowohl als die schattirungen und wieder eingebrachte Verstimmungen jene
das Bild, diese den Thon lieblicher machen. Daß Mens incorporea sey, Mentem agere in
[seipsam], nullam actionem in se ipsam esse motum, nullam esse actionem corporis praeter
motum, ac proinde mentem non esse corpus. Mentem consistere in puncto seu centro, ac
proinde esse indivisibilem incorruptibilem immortalem; gleichwie in Centro alle strahlen
concurriren, so lauffen auch in mente alle impressiones sensibilium per nervos zusammen, und
also ist mens eine kleine in einem Punct begriffene Welt, so aus denen Ideis, wie centrum ex
Angulis bestehet, denn angulus ist pars centri, ob gleich centrum indivisibel, dadurch die ganze
natura mentis [geometrice] ercläret werden kan.
In Theologia Revelata ubernehme ich zu demonstriren, nicht zwar veritatem (denn
die fleüst a revelatione) sondern possibilitatem mysteriorum, contra insultus infidelium et
Atheorum, dadurch sie von allen contradictionibus vindicirt werden, nehmlich possibilitatem
Trinitatis, incarnationis, Eucharistiae; und in specie de Eucharistiae realitate contra significatores
zu gedencken, so hat nun Monsieur Arnaud ex perpetua veterum traditione realitatem
gegen Mr Claude zur genüge erwiesen, aber es wird alles vergebens seyn, dafern nicht die
einige Clava impossibilitatis et contradictionis ex manibus horum Herculum extorquirt wird.
Denn sie bleiben dabey, es sey eine unmügliche sich selbst contradicirende alle vernunfft
choquirende sache, die nothwendig figurate müße verstanden werden, sowohl als Herodes est
vulpes, Agnus est pascha, und wenn 1000 loca patrum und scripturae angeführt würden, so ist
doch diese replique unbenommen. Und darinn werden sie confirmirt per philosophiam hodiernam
a Galilaeo, Bacono, Gassendo, Cartesio, Hobbesio etc. emendatam, denn solche philosophie
cum universali applausu bey allen Curiosis angenommen wird, weil sie alles cörperliches
per magnitudinem figuram et motum mechanice ohne fictitiis entibus ercläret; alleine so
sehr diese philosophi von politicis geliebt, so sehr wird sie von eifrigen Theologis catholicis
gefürchtet, dieweil auff einmahl alle die wunderlichen notiones tenebrosae fallen, damit die
Scholastici Eucharistiam stüzen wollen. Und ists Cartesio, Magnano, Digbaeo und Thomae
Anglo, Borello, Bonarti und etlichen andern gar übel gangen, die Eucharistiae mysteria cum
philosophia emendata conciliiren wollen. Dahehr Arnaldus, ob er wohl Philosophiae emendatae
scientissimus, sich noch nicht daran wagen dürffen, wie offt ihm gleich Claude impossibilitatem
und contradictionem objicirt. Ich aber bin endtlich durch tieffe untersuchung dahin
kommen, daß ich possibilitatem mysteriorum Eucharistiae, wie sie in Concilio Tridentino
ercläret werden, salva philosophia emendata welches vielen unglaublich vorkommen wird, zu
demonstriren mir getraue. Ich will weisen vi principiorum Philosophiae Emendatae, necesse
esse ut detur in omni corpore principium intimum incorporeum, substantiale a mole distinctum,
et hoc illud esse quod veteres, quod Scholastici substantiam dixerint, etsi nequiverint se
distincte explicare, multo minus sententiam suam demonstrare; ich will ferner weisen daß
dieses principium zugleich an mehr orthen, ja unter weit entlegenen unterschiedenen Speciebus
zugleich seyn könne, dadurch nicht allein der praesentiae realis, sondern auch Transsubstantiationis
selbst, davon zu reden auch Arnaldus sich scheüet, müglichkeit clar gemacht wird. An
welchen dingen allen Gewißenhafften Menschen, sonderlich hohen Potentaten, denen vieler
Menschen wolfart zu verantworten, höchlich gelegen.
Endtlich will ich mit E. Hochfürstl. Durchlt gnädigster permission zum Corollario eine,
wenn ich so reden darff mir in Sinn gekommene Staats-Invention anhängen. Ich sorge man
wird sagen: ne sutor ultra crepidam, gleichwohl ist das Proponiren niemand verbothen, und das
judicium hochverständigen Staats-Leüten vorbehalten. Es ist clar daß so große Französische
Armaturen endtlich ausbrechen müßen, daß wenn sie in Europa ausbrechen ein langer Universal-Krieg
und jammerliche ruin vieler 100000 Menschen zu besorgen; daß also alle nicht
allein Catholische sondern Christen deren verwendung in die Levante gegen den Erbfeind
wündschen. Alleine alle die bishehr ein solches gerathen, haben mehr theologicas als politicas
rationes gebracht, und mehr gesagt daß mans thun solle, als wie mans thun solle; etliche auch
ihre mesuren übel genommen und dahehr von verständigen Staats-Leüten verachtet worden,
und also ist eine sach daran die Ehre Gottes und allgemeine Wohlfart hanget nur auff Canzlen
und nicht in Cabineten in consideration kommen. Ich aber habe durch fleißiges Lesen und
erwegen der Glaubwürdigsten Voyagen einen so wichtigen von niemand meines wißens berührten
Vorschlag gefunden, daß ich kühnlich sagen darff, nechst erfindung des fabelhafften
Lapidis Philosophorum könne einem solchen Potentaten als der König in Franckreich ist, nichts
importanteres vorgetragen werden. Denn mehr daran hanget, als vor deßen erclärung zu
glauben; ich habe ihn noch niemand zuvor, als den H. ... zu erkennen geben, der ihn
[aestimirt], und mich ein Bedencken darüber zu verfaßen eiferigst urgirt, so ich thun will, und
solches, auch bey dem Schärffesten examine, der rafinirtesten Staats-Leüte zu sustiniren
getraue.
Saepe etiam est olitor valde opportuna locutus, vielleicht giebt Gott die Gnade, daß durch mich an einem so Hohen Orth res Ecclesiae et Patriae tam salutaris mit nachdruck anbracht werden könne.
Ob ich zwar in Franckreich so große Kundschafft noch nicht habe, so bin ich doch bereits an den Herrn Colbert recommendirt und auff deßen befehl zu verfertigung meiner Arithmetischen Machine urgirt worden. Und numehr auch an Mr de Pomponne als Secretarium status, wird mir durch seinen Vetter Mr Arnaud den ich vindicatione philosophica mysteriorum Eucharistiae hoch gnugsam zu obligiren versichert bin, an Adresse nicht mangeln.
Zudem habe ich doch meistentheils das glück gehabt an stein frembden orthen, so bald ich mich zu expliciren gelegenheit gefunden, in einige consideration auch ohne alle recommendationes gezogen zu werden. Maßen zu Maynz als ich dahin zu erst kommen, mich kein Mensch gekennet, und gleichwohl Churf. Gnaden gleich anfangs favorable Gedancken von mir geschöpft. Auch viele Curiosi, zu denen ich die geringste Kundschafft nicht gehabt, haben auff meine briefe an sie mit einer extraordinairen hoflig- und willfahrigkeit geantwortet, darunter ich die Herrn der Königl. Franz. Academie und Engl. Societät, auch Hrⁿ von Boineburg, H. P. Kircher und Lana in Italien, Herrn Gericken, Linckern, Conringium, Boeclern in Teütschland, Herrn Graevium, Velthuysen, Diemerbroeck in Holland, Oldenburg und Wallis in England; de Carcavy Bibliothecarium Regis, Ferrandum und andere in Franckreich, und viele andere virtuosos, auch Chymicos und Mechanicos, die alhier zu erzehlen nicht nöthig, zehlen kan.
Summa Votorum meorum ist, wie ich zu einem solchen Ruhigen Stand gelangen möge, daß ich darinn mein weniges von Gott verliehenes talent zur perfectionirung der Wißenschafften anlegen könne, dazu ich nirgend beßere Anstalt aniezo als in Franckreich sehe, alda Ihre Mayt die Königliche resolution gefaßet Leüte von denen etwas zu gewarten, durch pensionen zu encouragiren, da ich auch mit solchen dingen die ich leicht zu demonstriren versichert bin: als machina arithmetica, inventis opticis, demonstratione possibilitatis mysteriorum Eucharistiae, und endtlich, Consilio novo Belli Sacri rechtschaffen zu reussiren hoffe.
Alleine es sind mir dazu sowohl behörige Kosten die Reise zu verrichten, gebührend zu erscheinen, und dann die proben der Arithmetischen und Optischen inventionen zu thun, als auch umb fest zu gehen, Recommendationes von einem hohen orth, absolute nöthig.
Ich habe noch keinen Menschen auch ChurMaynz selbst nicht deswegen angesprochen oder diese meine gedancken erclärt; sondern nach dem ich einmahl E. Hochfürstl. Durchlt gegen mich unverdiente Realität gespüret, dafür gehalten, daß bey keinem Hohen Haupt in Teütschland eine genereusere cooperirung zu so importanten dingen zu hoffen, maßen E. Hochfürstl. Durchlt auch nicht alleine materiam Religionis et Status im grund verstehen und sonsten aller schöhnen wißenschafften kundig seyn, sondern auch pro incremento Ecclesiae et salute patriae genereuse consilia allezeit führen, und überdieß bey Franckreich in solcher ungemeiner Consideration seyn, daß deren Recommendationes etwas gelten können.
Dieß ist alles was ich von E. Hochfürstl. Durchlt wündsche und sie verhoffentlich nicht übel anlegen sondern dadurch die Ehre Gottes und gemeines Beste, auch ihre eigne gloire vermehren, und vielleicht das contentement einiger annehmlicher und nüzlicher erfindungen, zu deren auswürckung mir nichts als obgedachter maßen gewündschte Ruhe mangelt, haben werden.