Philosophische Abhandlungen. 1684-1703
Da Descartes in der Aufstellung der Criterien in Betreff der Erkenntniß der Wahrheit und in der Unterscheidung der wahren von den falschen Ideen nicht Genügendes geleistet hatte, und da der falsche Gebrauch der Ideen zu Irrthümern führt (le mauvais usage des idées donne occasion à plusieurs erreurs), so hielt Leibniz für nothwendig, in diesem Punkte eine feste Grundlage zu schaffen. In der Abhandlung I: Meditationes de Cognitione, Veritate et Ideis1 unterscheidet er zunächst die dunkle und klare Erkenntniß, cognitio obscura vel clara, die letztere ist confusa vel distincta, diese ferner inadaequata vel adaequata, und symbolica vel intuitiva; er setzt hinzu: et quidem si simul adaequata et intuitiva sit, perfectissima est (cognitio). Demnach werden wir nur durch die cognitio intuitiva zu Ideen von dem gelangen, was wir bestimmt erkennen. Nachdem Leibniz von diesen Festsetzungen eine Anwendung auf den cartesianischen Beweis der Existenz Gottes gemacht hat, erwähnt er weiter das cartesianische Axiom: Quicquid clare et distincte de re aliqua percipio, id est verum seu de ea enuntiabile, und bemerkt, daß dasselbe nur Geltung habe, wenn die von ihm aufgestellten Criterien des Klaren und Bestimmten zur Anwendung gebracht würden.
Die Abhandlung II, deren Original ohne Ueberschrift ist, wurde von Leibniz zu Anfang des Jahres 1686 geschrieben. Dies ergiebt sich aus Leibnizens Brief an den Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels 1/11 Februar 1686, dem er ein genaues Inhaltsverzeichniß der einzelnen Nummern dieser Abhandlung beigefügt hat, um dasselbe Antoine Arnauld zukommen zu lassen (siehe Briefwechsel zwischen Leibniz, Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels und Antoine Arnauld, Bd. II, S.11ff). Leibniz bezeichnet in dem erwähnten Brief die Abhandlung als »un petit discours de metaphysique«.2 Indem in Betreff ihres Inhalts auf die von Leibniz selbst aufgestellte vollständige Inhaltsangabe verwiesen wird, soll hier nur hervorgehoben werden, daß Leibniz in dieser Abhandlung die Summe seiner ganzen bisherigen philosophischen Speculation niedergelegt hat; sie gewährt demnach ein Bild, wie Leibnizens philosophische und insbesondere metaphysische Vorstellungen, die er in den Briefen an den Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg aus dem Jahre 1671 erwähnt, sich nach und nach geklärt haben, namentlich wie er durch die Dynamik zu dem Begriff der Substanz gelangt ist. Gelegentlich des Nachweises, daß nicht, wie Descartes irrthümlich annahm, die Quantität der Bewegung, sondern vielmehr die Größe der Kraft, die durch das Product aus der Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit bestimmt wird, in der Welt sich unverändert erhalte, fährt Leibniz fort: Cette consideration de la force distinguée de la quantité de mouvement est assez importante non seulement en physique et en mechanique pour trouver les veritables loix de la nature et regles du mouvement, et pour corriger même plusieurs erreurs de practique qui se sont glissés dans les écrits de quelques habiles Mathematiciens, mais encor dans la metaphysique pour mieux entendre les principes, car le mouvement, si on n'y considere que ce qu'il comprend precisement et formellement, c'est à dire un changement de place, n'est pas une chose entierement reelle, et quand plusieurs corps changent de situation entre eux, y il n'est pas possible de determiner par la seule consideration de ces changemens, à qui entre eux le mouvement ou le repos doit estre attribué, comme je pourrois faire voir geometriquement, si je m'y voulois arrester maintenant. Mais la force ou cause prochaine de ces changemens est quelque chose de plus reel, et il y a assez de fondement pour l'attribuer à un corps plus qu'à l'autre; aussi n'est ce que par là qu'on peut connoistre à qui le mouvement appartient d'avantage. Or cette force est quelque chose de different de la grandeur de la figure et du mouvement, et on peut juger par là que tout ce qui est conçû dans les corps ne consiste pas uniquement dans l'etendue et dans ses modifications, comme nos modernes se le persuadent. Ainsi nous sommes encor obligés de rétablir quelques estres ou formes, qu'ils ont bannies. Et il paroist de plus en plus, quoyque tous les phenomenes particuliers de la nature se puissent expliquer mathematiquement ou mechaniquement par ceux qui les entendent, que neantmoins les principes generaux de la nature corporelle et de la mechanique même sont plustost metaphysiques que Geometriques, et appartiennent plustost à quelques formes ou natures indivisibles comme causes des apparences qu'à la masse corporelle ou étendue. Reflexion qui est capable de reconcilier la philosophie mechanique des modernes avec la circomspection de quelques personnes intelligentes et bien intentionnées qui craignent avec quelque raison qu'on ne s'eloigne trop des estres immateriels au prejudice de la pieté. - Ebenso enthält diese Abhandlung bereits die Grundzüge des Systeme nouveau de la nature et de la communication des substances, denn in n. XXXIII. giebt Leibniz die explication du commerce de l'ame et du corps qui a passé pour inexplicable ou pour miraculeux.
Im folgenden Jahre, im Herbst 1687, trat Leibniz auf Befehl des Herzogs von Hannover seine große Reise durch Deutschland und Italien an, um Urkunden und Denkmäler für eine umfassende Geschichte des Hauses Braunschweig zu erforschen und zu sammeln. Während seines Aufenthalts in Rom (October und November 1689) gelangte das berühmte Werk Newton's: Philosophiae naturalis principia mathematica, das gegen Ende des Jahres 1686 erschienen war, in seine Hände.3 Da Leibniz mit der darin zu Grunde gelegten Gravitationshypothese sich eben so wenig als der berühmte Hugens befreunden konnte, so nahm er, noch während seines Aufenthalts in Italien, Veranlassung eine größere Schrift unter dem Titel: Dynamica de Potentia et Legibus Naturae corporeae, auszuarbeiten, in welcher er seine langjährigen Studien über die Grundbegriffe der Dynamik und die Gesetze der Bewegung niederlegte.4 Es konnte nicht fehlen, daß Leibniz durch diese eingehende Beschäftigung mit der Dynamik auch seine metaphysischen Untersuchungen weiter verfolgte. Er berichtet darüber in einem Briefe an Antoine Arnauld, datirt à Venise 23 Mars 1690 (siehe Bd. II. S.135ff). Da der Inhalt dieses Briefes gewissermaßen die Fortsetzung und den Abschluß von der im Jahre 1686 verfaßten Abhandlung bildet, so mag hier Folgendes daraus erwähnt werden. Leibniz schreibt: Le corps est un aggregé de substances, et ce n'est pas une substance à proprement parler. Il faut par conséquent que par tout dans le corps il se trouve des substances indivisibles, ingénérables et incorruptibles, ayant quelque chose de répondant aux ames. Que toutes ces substances ont tousjours été et seront tousjours unies à des corps organiques, diversement transformables. Que chacune de ces substances contient dans sa nature legem continuationis seriei suarum operationum, et tout ce qui luy est arrivé et arrivera. Que toutes ses actions viennent de son propre fonds, excepté la dépendance de Dieu. Que chaque substance exprime l'univers tout entier, mais l'une plus distinctement que l'autre, sur tout chacune à l'égard de certaines choses, et selon son point de veue. Que l'union de l'ame avec le corps, et même l'operation d'une substance sur l'autre, ne consiste que dans ce parfait accord mutuel, establi exprès par l'ordre de la premiere création, en vertu duquel chaque substance, suivant ses propres loix, se rencontre dans ce que demandent les autres; et les operations de l'une suivent ou accompagnent ainsi l'operation ou le changement de l'autre.
Nachdem Leibniz nach zweiundeinhalbjähriger Abwesenheit im Juni 1690 nach Hannover zurückgekehrt war, lag ihm trotz der verschiedenartigsten Beschäftigungen und Arbeiten aller Art die Bekanntmachung seiner metaphysischen Speculationen am Herzen.5 Er benutzte dazu die vornehmsten Zeitschriften der damaligen Zeit: Journal des Savants und die Acta Eruditorum Lipsiensium. An den Herausgeber des erstern Journals richtete er zwei Zuschriften III. (Journ. des Sav. Juin 1691 und Janv. 1693), in welchen er ausführt, daß der Körper nicht bloß in der Ausdehnung besteht, daß es vielmehr nöthig sei, um die Gesetze der Bewegung zu erklären, den höheren, metaphysischen Begriff der Substanz und der Kraft damit zu verbinden. - Im Jahre 1694 ließ Leibniz die kurze Abhandlung IV: De primae Philosophiae Emendatione, et de Notione Substantiae, in die Act. Erudit. Lips. einrücken.6 Er beklagt darin, daß die Mathematiker so wenig um metaphysische Begriffe sich bekümmern; daß aber die letztern von der höchsten Bedeutung sind, zeige der Begriff der Substanz, mit dessen Hülfe die wichtigsten Wahrheiten sich erklären ließen. Die Substanz enthalte eine Kraft, vis activa, die von dem allgemein angenommenen Begriff der Kraft (potentia), die eine Einwirkung erfordere, sich unterscheide und welche namentlich zur Lösung des schwierigen Problems über die gegenseitige Einwirkung der Substanzen unter einander von Nutzen sei.
Indeß fanden, wie es scheint, Leibnizens Ideen in Deutschland keinen Anklang. Anders war es in Frankreich; er stand mit hervorragenden französischen Gelehrten, namentlich mit Foucher, seit längerer Zeit in Briefwechsel (Bd. I. S.363ff), und deshalb beschloß er nach den bereits vorausgegangenen Vorbereitungen sein neues System in dem Journal des Savants zu veröffentlichen. Im Jahre 1695 erschien die Abhandlung V: Systeme nouveau de la nature et de la communication des substances, aussi bien que de l'union qu'il y a entre l'ame et le corps (Journal des Savants, Juin 1695), in der er über die allmähliche Entstehung und Vervollkommnung seiner Metaphysik handelt.7 Da Leibniz in den einleitenden Worten auf den Zusammenhang
hinweist, in welchem dieselbe mit der Dynamik steht, so scheint es angemessen, die Grundbegriffe der Dynamik nach seiner Auffassung hier zusammenzustellen. Leibniz begann mit der Speculation über die Natur des Körpers. Er wies nach, daß nicht, wie Descartes meinte, die Natur des Körpers lediglich in der Ausdehnung bestehe, denn die Ausdehnung ist kein ursprüngliches, absolutes Attribut des Körpers, sondern nur ein relatives, insofern dabei Bezug genommen wird auf das was ausgedehnt wird. Indem nun Leibniz weiter ging und sich die Frage vorlegte, worin das Wesen des Körpers bestehe, so fand er, daß außer der Materie noch etwas anderes im Körper vorhanden sein müsse; er bezeichnet es als to dynamikon seu principium mutationis et perseverantiae insitum. Diese potentia in corpore, wie Leibniz es auch nennt, ist doppelter Art: passiv und activ; jene bildet die Materie oder Masse, diese die Entelechie oder Form. Die passive Kraft ist die Undurchdringlichkeit oder der Widerstand den ein Körper leistet; sie ist im Körper überall dieselbe und seiner Größe proportional. Die active Kraft ist nicht allein das was schlechthin Kraft genannt wird, sondern sie schließt auch den conatus ein, worin namentlich das Wesen der Entelechie besteht. Die active Kraft ist doppelter Art: primitiv und derivativ, d.h. substantiell und accidentell. Die erstere bildet in Verbindung mit der Materie die Substanz des Körpers; die zweite ist der conatus oder die Tendenz zu einer bestimmten Bewegung. Diese Tendenz, die in der Summe immer dieselbe bleibt, ist von der Bewegung selbst, deren Quantität sich ändert, unterschieden. Zwischen der derivativen Kraft und dem in Bewegung Setzen (Actio) findet eben der Unterschied statt, wie zwischen dem Augenblicklichen und Successiven; die Kraft ist schon im ersten Augenblick vorhanden, die Actio bedarf der Zeit und ist deshalb gleich dem Produkt aus den Kräften in die Zeit. Es kommt mithin bei der Actio der Körper die Kraft und die Zeit in Betracht. - Wie definirt nun aber Leibniz den Begriff der Substanz? Atome in dem gewöhnlichen Sinne, auf die man durch fortgesetzte Theilung des Körpers kommt, können nicht einfache Substanzen sein; sie sind Aggregate von einfachen Substanzen (unités). »Donc pour trouver ces unités reelles, je fus contraint de recourir à un point reell et animé pour ainsi dire, on à un Atome de substance qui doit envelopper quelque chose de forme ou d'actif, pour faire un Estre complet.« Solche veritables unités sind untheilbar (indivisibles) und handelnd (agissantes), ähnlich der Seele der belebten Wesen. Außer der Untheilbarkeit kommen ihnen noch die Eigenschaften des Unerzeugbaren und des Unzerstörbaren zu, sie sind nur durch die Schöpfung entstanden und ebenso kann sie nur der Wille Gottes vernichten. Il n'y a que les Atomes de substance, fährt Leibniz an einer andern Stelle fort, c'est à dire les unités reelles et absolument destituées de parties, qui soyent les sources des actions, et les premiers principes absolus de la composition des choses, et comme les derniers elemens de l'analyse des choses substantielles. On les pourroit appeller points metaphysiques; ils ont quelque chose de vital et une espece de perception, et les points mathematiques sont leur points de veue, pour exprimer l'univers. Zum vollständigen Begriff der einfachen Substanz gehört demnach, daß sie das Unendliche, das Universum
in sich schließt und allezeit ihre ganze Vergangenheit und ihre ganze Zukunft ausdrückt (legem continuationis seriei suarum operationum), jedoch die eine deutlicher als die andere »selon son point de veue«. Darauf beruht die von Gott zwischen ihnen allen von Anfang an gesetzte Harmonie und demnach auch die Harmonie zwischen Seele und Leib.
Gelegentlich des Streites, der zwischen Joh. Christoph Sturm, Professor an der Universität Altorf, und Günther Christoph Schelhammer, Professor in Kiel, in den Jahren 1697 und 1698 geführt wurde,8 hatte Leibniz Veranlassung sein neues System zu vertheidigen. Ohne sich in den Streit selbst zu mischen, zieht Leibniz in der Abhandlung VI: De ipsa Natura sive de Vi insita Actionibusque Creaturarum, pro Dynamicis suis confirmandis illustrandisque (Act. Erudit. Lips. an. 1698 Septembr.) die Behauptung Sturm's in Betracht, daß die Attribute, die gewöhnlich mit dem Begriff: Natur der Dinge verbunden werden, zum Theil heidnisch und unchristlich seien, und ferner daß Sturm leugnet, daß in den Geschöpfen die energeia vorhanden sei. Besonders geht Leibniz auf das Letztere ausführlich ein. Er gebraucht hier auch das Wort Monade, dessen Definition er also einleitet:
Quae utique activitates atque entelechiae cum materiae primae sive molis, rei essentialiter passivae, modificationes esse non possunt ......, vel hinc judicari potest, debere in corporea substantia reperiri entelechiam primam, tanquam prôton dektikon activitatis, vim scilicet motricem primitivam, quae praeter extensionem (seu id quod est mere geometricum) et praeter molem (seu id quod est mere materiale) superaddita semper quidem agit, sed tamen varie ex corporum concursibus per conatus impetusve modificatur. Atque hoc ipsum substantiale principium est, quod in viventibus anima, in aliis forma substantialis appellatur, et quatenus cum materia substantiam vere unam, seu unum per se constituit, id facit, quod ego Monadem appello, cum sublatis his veris et realibus unitatibus, non nisi entia per aggregationem, imo quod hinc sequitur, nulla vera entia in corporibus sint superfutura. Etsi enim dentur atomi substantiae, nostrae scilicet Monades partibus carentes, nullae tamen dantur atomi molis seu minimae extensionis, vel ultima elementa, cum ex punctis continuum non componatur. Prorsus uti nullum datur ens mole maximum, vel extensione infinitum, etsi semper alia aliis majora dentur, sed datur tantum ens maximum intensione perfectionis seu infinitum virtute. - Noch ist der Schluß dieser Abhandlung hervorzuheben, in welchem Leibniz mit wenigen Worten sein metaphysisches System charakterisirt: ex quibus restitutum emendatumque Systema mediae inter formalem et materiariam philosophiae (conjuncta servataque rite utraque) nasci videtur aliquando posse.
Gleichzeitig erhoben sich gegen Leibnizens neues System zwei andere Gegner. Der eine war der als scharfer Kritiker berühmte Pierre Bayle. Er hatte in seinem Dictionnaire historique et critique, Artikel Rorarius,9 die Art und Weise angegriffen, wie Leibniz die Verbindung zwischen Leib und Seele erklärte. In einem längeren Schreiben VII, datirt Juillet 1698, das an Basnage de Beauval, den Herausgeber der Histoire des ouvrages des sçavans, gerichtet ist, suchte er die Einwürfe Bayle's zurückzuweisen. In der zweiten Ausgabe seines Dictionnaire, in demselben Artikel Rorarius, kam Bayle wiederum auf Leibnizens neues System zurück, erklärte, daß durch dessen Erwiederung die Schwierigkeiten mehr aufgeklärt wären, und man würde die Hypothese der Harmonie préétablie der Cartesianischen vorziehen können, wenn die Möglichkeit (possibilité) der ersteren nachgewiesen wäre; aber diese Möglichkeit sei schwer zu begreifen. Leibniz unterwarf noch in demselben Jahre 1702 diese weitern Einwürfe Bayle's, Satz für Satz, einer gründlichen und eingehenden Widerlegung. Sie war bisher noch nicht gedruckt, und folgt hier unter der Aufschrift: Extrait du Dictionnaire de M. Bayle article Rorarius p.2599 sqq. de l'Edition de l'an 1702 avec mes remarques. Bemerkenswerth ist der Schluß derselben, es heißt daselbst: Ayant repondu soigneusement et precisement, periode par periode, aux difficultés de M. Bayle d'une maniere tousjours uniforme et fondée sur le même principe, j'espere d'avoir applani tout ce qui a luy paru scabreux, et il semble que luy même paroist enfin assez disposé à abandonner ses objections. J'ay aussi repondu ailleurs aux difficultés de Dom François Lami qui n'étoient que des mesentendus. Enfin la somme de mon systeme revient à cecy, que chaque Monade est une concentration de l'univers, et que chaque Esprit est une imitation de la divinité. Qu'en Dieu l'univers se trouve non seulement concentré, mais encore exprimé parfaitement; mais qu'en chaque Monade creée il y a seulement une partie exprimée distinctement qui est plus ou moins grande selon que l'Ame est plus ou moins excellente, et tout le reste qui est infini n'y est exprimé que confusement. Mais qu'il y a en Dieu non seulement la concentration, mais encore la source de l'univers. Il est le centre primitif dont tout le reste emane, et si quelque chose emane de nous au dehors, ce n'est pas immediatement, mais par ce qu'il a voulu accommoder d'abord les choses à nos desirs. Enfin lorsqu'on dit que chaque Monade, Ame, Esprit a receu une loy particuliere, il faut adjouter qu'elle n'est qu'une variation de la loy generale qui regle l'univers; et que c'est comme une même ville paroit differente selon les differens points de veue dont on la regarde. Ainsi il n'est point necessaire que les Ames humaines different specifiquement entre elles et le contraire a plustot lieu, car il est seur que jamais deux feuilles, deux oeufs, deux corps, quoyque d'une même espece, se ressemblent parfaitement, et les varietés infinies qu'on ne sauroit comprendre sous une notion font d'autres individus, mais non pas d'autres especes. La merveille est que la sagesse souveraine a trouvé le moyen par les substances representantes de varier le même monde en même temps infiniment, car le monde ayant déja une varieté infinie en luy même et estant varié tel qu'il est et exprimé diversement par une infinité de representations differentes, il reçoit une infinité d'infinités, et ne pouvoit mieux repondre à la nature et aux intentions de son inexprimable auteur qui passe en perfection tout ce qu'on en peut penser. - Von dieser ausführlichen Widerlegung schickte Leibniz eine Ueberarbeitung an Johann Bernoulli und de Volder, um deren Urtheil zu vernehmen; der letztere sollte sie alsdann weiter an Bayle übersenden. Aus dem Briefe de Volder's an Leibniz vom 7. Octobr. 1702 (Bd. II. S.244) geht hervor, daß Bayle die Abhandlung Leibnizens ohne jede Erwiederung, nur in Begleitung eines Briefes (der in der Leibnizischen Correspondenz noch nicht aufgefunden ist) an ihn zurückgelangen ließ. Diese Ueberarbeitung hat Leibniz 10 Jahre später, im Jahre 1712, in dem 2. Bande S.78ff. der von Masson herausgegebenen Histoire Critique de la République des Lettres unter dem Titel: Réponse aux reflexions contenues dans la seconde Edition du Dictionnaire Critique de M. Bayle, article Rorarius, sur le systeme de l'Harmonie préétablie, veröffentlicht. Sie ist hier mit vielen nachträglichen Zusätzen Leibnizens abgedruckt.
Auf ähnliche Weise verfuhr Leibniz mit dem zweiten Gegner, dem Benedictiner Dom François Lami, der in seiner Schrift: Connoissance de soy-même, Paris 1699, ebenfalls eine Reihe Schwierigkeiten erhoben hatte, welche die prästabilirte Harmonie betrafen. Von den ausführlichen Beantwortungen dieser Einwürfe (VIII), die hier zum ersten Male gedruckt sind, hat Leibniz nur einen Auszug: Réponse aux Objections que le P. Lamy Benedictin a faites contre le Systême de l'Harmonie Préétablie (Supplem. du Journal des Sçavans an. 1709) bekannt gemacht.
//IV415// stark verbessert hat. Davon ist 4) eine Reinschrift vorhanden, die ebenfalls noch an einzelnen Stellen verbessert ist. Hiervon wird er eine Abschrift an das Journal des Savants geschickt haben. In dem Abdrucke sind die Leibnizische Orthographie und einzelnes im Stil geändert. Er hat sich aber damit einverstanden erklärt, denn es ist ein kleiner Zettel vorhanden, worauf er einige Correcturen notirt hat, ohne weitere Bemerkungen hinzuzufügen. Von dem Abdruck im Journal des Savants hat Leibniz eine Abschrift nehmen lassen, die an einigen Stellen verbessert ist, ferner von den Einwürfen Foucher's, wozu er die hier folgenden, bisher ungedruckten Anmerkungen gemacht hat. Leibniz beabsichtigte nämlich alles was in Betreff seines Systems veröffentlicht wurde, zusammen herauszugeben; er schreibt an Basnage de Beauval, Hanover 3/13 Janvier 1696: Et ces pensées qui ont paru paradoxes à quelques uns, m'ayant fait échanger des lettres avec plusieurs personnes celebres, je pourrois donner un Commercium Epistolicum là dessus, où entreroit mon commerce avec M. Arnaud, dont j'ay parlé dans ma precedente. Il y aura un melange curieux de pensées philosophiques et Mathematiques, qui auront peut-estre quelque fois la grace de la nouveauté. Indeß der Tod Foucher's († 1696) ließ diesen Gedanken nicht zur Ausführung kommen. Ich habe deshalb alles, die Abhandlung nebst den Erläuterungen, unter einer Nummer vereinigt.
- 1Zuerst in den Act. Erudit. Lips. an. 1684 Novembr. abgedruckt.
- 2Diese Abhandlung ist zuerst im Anhang zu dem von Grotefend herausgegebenen Briefwechsel zwischen Leibniz, Arnauld und dem Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels, Hannover 1846, gedruckt.
- 3Dies berichtet Leibniz an Hugens in einem Briefe, der undatirt, aber jedenfalls nach dem 24. August 1690 geschrieben ist; es heißt darin: Apres avoir bien consideré le livre de M. Newton que j'ay vû à Rome pour la premiere fois, j'ay admiré comme de raison quantité de belles choses qu'il y donne. Cependant je ne comprends pas comment il conçoit la pesanteur, ou attraction.
- 4Das Nähere erzählt Leibniz in einem Briefe an Johann Bernoulli, Hanoverae 8/18 Martii 1696: Cum Romae essem anno 1689 et cum Auzouto, eruditissimo Gallo, qui inter Academiae Scientiarum Regiae velut conditores fuit, multum de his disputarem, meditationes meas in ordinem redigens libellum adumbravi, in quo demonstrantur haec omnia, de vi scilicet tam absoluta, quam directiva, et conservando progressu centri gravitatis, aliaque his non inferiora. Eum transiens per Florentiam amico, in Mathematicis egregio, petenti reliqui edendum, et ille redegit in mundum omnia studiose, sed cum finis libro adhuc deesset, quem summittere in me receperam, per me stetit hactenus, quominus editio sequeretur; nondum enim colophonem adjeci, partim quod multa nova subinde nascerentur, quae mererentur addi, partim quod his, quos videbam mea non ut par erat accepisse, nollem velut obtrudere pulchras veritates. Der hier erwähnte Freund ist der Freiherr von Bodenhausen, der unter dem angenommenen Namen eines Abbé Bodenus als Erzieher der Söhne des Herzogs von Toscana am Hofe zu Florenz lebte. Wahrscheinlich hatte derselbe bestimmt, daß nach seinem Tode alle seine mathematischen Papiere an Leibniz übersandt werden sollten; so geschah es denn, daß das Original nebst der davon genommenen sorgfältigen Abschrift wieder in Leibnizens Hände gelangte.
- 5Leibniz schreibt an Placcius, Hanoverae d. 5. Sept. 1695: Quam mirifice sim distractus, dici non potest. Varia ex archivis eruo, antiquas chartas inspicio, manuscripta inedita conquiro. Ex his lucem dare conor Brunsvicensi historiae. Magno numero literas et accipio et dimitto. Habeo vero tam multa nova in mathematicis, tot cogitationes in philosophicis, tot alias literarias observationes, quas vellem non perire, ut saepe inter agenda anceps haeream, et prope illud Ovidianum sentiam: inopem me copia fecit. ...... Inprimis tamen et dynamices curam absolvisse vellem, qua veras tandem naturae corporeae leges me complexum puto, ut problemata solvere possim circa corporum actiones inter se, quae per nota hactenus praecepta non habentur.
- 6Act. Erudit. Lips. an. 1694 p.110 sq.
- 7Von dieser Abhandlung ist vorhanden 1) der erste Entwurf mit der Bemerkung Leibnizens: »ist viel ausgelaßen und geändert, also dieses noch nachzusehen und zu compariren.« Ich habe diesen ersten Entwurf, der hinsichtlich der frischen, durchsichtigen Darstellung bemerkenswerth ist, hier ausgenommen. Da derselbe außerordentlich durchcorrigirt ist, so hat Leibniz 2) ein zweites Concept angefertigt. Davon hat er 3) eine Abschrift nehmen lassen, die er wiederum
- 8Dieser Streit hatte seinen Ursprung in der im Jahre 1686 erschienenen Schrift Robert Boyle's: Libera in receptam naturae notionem disquisitio ad amicum, in welcher derselbe gegen den Mißbrauch des Wortes: Natur eiferte; er meinte, man müsse dessen sich ganz enthalten und dafür das Wort: Mechanismus gebrauchen. Sturm bekannte sich zu der Ansicht Boyle's in der zu Altorf 1692 erschienenen Dissertation: Idolum naturae similiumque nominum vanorum ex hominum Christianorum animis deturbandi conatus philosophicus, sive de natura agentis tum universalis tum particularis aliorumque cognatorum quasi Numinum superstitiosis erroneisque conceptibus Dissertatio. Dagegen trat auf Schelhammer im Jahre 1697 in der Schrift: Natura sibi et Medicis vindicata, in der er das Wort: Natur vertheidigte. Die Entgegnung Sturm's, von Leibniz als Dissertatio Apologetica bezeichnet, erschien 1698: De natura sibi in cassum vindicata, qua sententia nostra de Naturae, providentissime utique, et efficacia Divinae Virtuti contradistincta, universaliter et particulariter agentis idolo ab ignorationibus elenchi perpetuis Viri Doctissimi, mentem nostram haud assecuti, modeste vindicatur. In diesem Streite kam auch die Frage über die Ursache der Bewegung zur Erörterung, und Sturm als Cartesianer behauptete, daß Gott die einzige Ursache der Bewegung sei. In dem Briefwechsel, der zwischen Leibniz und Sturm bestand, hatte letzterer sich zum Theil für die Ansichten Leibnizens bekannt, darauf aber war er wiederum anderer Meinung geworden, deshalb antwortete ihm Leibniz in der in Rede stehenden Abhandlung ausführlich.
- 9Bayle's Dictionnaire erschien zuerst zu Rotterdam 1695 und 1697 in 2 Bänden; alsdann in zweiter Auflage vermehrt und verbessert im Jahre 1702. - Das Nähere über Rorarius siehe zu Anfang der Abhandlung Leibnizens.