Leibniz gegen Descartes und den Cartesianismus

GerhardtGerman

1677-1702.

Durch die einflußreichen Verbindungen des Freiherrn von Boineburg gelang es Leibniz, in einer politischen Mission im März 1672 nach Paris zu gehen. Bekanntlich hatten die Bemühungen Leibnizens (Consilium Aegyptiacum) am französischen Hofe keinen Erfolg; dafür gewann er aber reichen Ersatz, daß er mit den Autoritäten auf dem geistigen Gebiet, deren die glänzende französische Hauptstadt in jeder Hinsicht so viele bot und mit welchen er zum Theil schon in Verbindung stand, in unmittelbare persönliche Berührung kam. So wurde es Leibniz möglich, sein Wissen nach allen Seiten hin zu mehren. Auf gleiche Weise verfuhr er in London, wohin er im Gefolge einer churmainzischen Gesandtschaft zu Anfang des Jahres 1673 kam; auch hier suchte er lediglich die wissenschaftlichen Kreise auf. In Folge des plötzlichen Todes des Churfürsten von Mainz kehrte die Gesandtschaft, und zugleich mit ihr Leibniz, Anfangs März nach Paris zurück. Da nun bereits Ende 1672 sein hoher Gönner, der Freiherr von Boineburg, gestorben war, so sah sich Leibniz im Stande, seine Verbindungen mit Mainz zu lösen, und er erhielt ohne Schwierigkeit von dem neuen Churfürsten von Mainz die Erlaubniß, in Paris bleiben zu dürfen. Leibniz stand von nun an ganz unabhängig auf eigenen Füßen; dadurch wurde dieser Aufenthalt in Paris für sein ganzes Leben von der entschiedensten Wichtigkeit.

Vornehmlich in Folge der Bekanntschaft mit dem berühmten holländischen Mathematiker Hugens van Zulichem, der damals auf Einladung

Ludwigs XIV in Paris lebte, wurde Leibniz für die Mathematik gewonnen; er erkannte, wie wenig er noch in der höheren Mathematik bewandert war, und fortan richteten sich seine Studien fast ausschließlich auf dies Ziel. Dadurch daß es ihm gelang, den 29. October 1675 den Algorithmus der Integralrechnung und bald darauf auch den der Differentialrechnung zu entdecken, vermochte er die Probleme, die Descartes als die wichtigsten in der Geometrie bezeichnet und ungelöst gelassen hatte, zu bewältigen. Die Superiorität, die Leibniz so über die Cartesianer erlangte, welche die mathematischen Leistungen ihres Meisters als unübertrefflich priesen, hat gewiß nicht wenig dazu beigetragen, daß er auch auf andern Gebieten Descartes nicht folgte, vielmehr seine Schwächen und Fehler aufsuchte. Er wußte sich Zugang zu den von Descartes hinterlassenen Manuscripten, welche Clerselier in Verwahrung hatte, zu verschaffen, und sehr umfangreiche Auszüge daraus, namentlich über Anatomie und Stereometrie, sind noch in seinen Papieren vorhanden.

Daß Leibniz während seines Pariser Aufenthalts die philosophischen Studien nicht ganz bei Seite gesetzt haben wird, dafür bürgt schon seine Bekanntschaft und Umgang mit Antoine Arnauld,1 namentlich aber sein inniges Verhältniß zu Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der im September 1675 in Paris eintraf. Dieser hatte seine Studien unter den Schülern Descartes' in Holland gemacht und war mit Spinoza persönlich bekannt geworden.2

Leibniz folgte im Jahre 1676 der Aufforderung des Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg, in seinen Dienst zu treten; er verließ Paris im October, verweilte eine Woche in London, ging über Holland, wo er in Amsterdam die Bekanntschaft des Mathematikers Hudde machte, im Haag Spinoza sprach und Leeuwenhoek in Delft aufsuchte, nach Deutschland und traf gegen Ende December 1676 in Hannover ein. Fast um dieselbe Zeit war Gerhard Molanus, Abt von Loccum, zum Präsidenten des Consistoriums in Hannover ernannt worden. Dieser, früher selbst Professor der Theologie und Mathematik an der Universität Helmstädt, nannte Leibniz einen ihm befreundeten Professor der Theologie und Mathematik an der Universität Rinteln, Namens Eckhard, der, ein Cartesianer, geeignet wäre in Unterhaltungen und Correspondenz über Philosophie und Mathematik sich einzulassen. Leibniz, dem Umgang mit wissenschaftlichen Männern ein Bedürfniß war, war hoch erfreut in der Nähe Hannovers einen Mann zu wissen, welcher ihm in dieser Hinsicht entgegenkäme; er richtete sofort ein Schreiben3 an Molanus, um es seinem Freunde mitzutheilen. In diesem Schreiben critisirt Leibniz in der Kürze die Leistungen Descartes' in Philosophie und Mathematik.

Die Correspondenz zwischen Leibniz und Eckhard währte von 1677 bis 1679. Gleichzeitig stand er mit einem Landsmann, Namens Philipp, in Briefwechsel, welcher als chursächsischer Rath und Resident zu Hamburg sich in den dortigen wissenschaftlichen Kreisen bewegte.4 Er war bei Pufendorf mit Leibniz zusammengetroffen und hatte ihn als Gegner Descartes' kennen gelernt. Deshalb wendet er sich an ihn, um in Betreff der Cartesianischen Philosophie Auskunft zu erhalten. In seinen Antworten bekämpft Leibniz namentlich zwei in Descartes' Principia philosophica enthaltene Sätze: In der Physik darf man nicht auf die Endursache Rücksicht nehmen, und: Die Materie nimmt nach und nach alle Formen an, deren sie fähig ist. -

Der Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg starb im December 1679; ihm folgte sein Bruder, der Herzog Ernst August, dessen geistreiche Gemahlin Sophie die hohe Gönnerin und Freundin Leibnizens wurde. Gleich ihrer älteren Schwester, der berühmten Prinzessin Elisabeth von Böhmen, die Schülerin von Descartes war, liebte sie die philosophischen Unterhaltungen5 mit Leibniz. In Folge einer solchen Unterhaltung, die zwischen beiden über Descartes und den Cartesianischen Beweis des Daseins Gottes stattfand, mag dann wohl Leibniz das Schreiben III, dessen Inhalt sich vornehmlich über diesen Gegenstand verbreitet, an die Herzogin gerichtet haben.6 Vielleicht enthalten die beiden folgenden Nummern IV. und V. Zuschriften an Molanus, die um dieselbe Zeit von Leibniz abgefaßt wurden.7 Das erstere handelt wesentlich von der Cartesianischen Philosophie, in dem andern wird mehr auf die sonstigen wissenschaftlichen Leistungen Descartes' eingegangen.

Eine fernere Gelegenheit, über und gegen Descartes ausführlich sich zu äußern, bot sich Leibniz, als er 1689 in Rom sich aufhielt. Er machte hier die Bekanntschaft des französischen Mathematikers Auzout, den Nicaise zu Beiträgen zu einer Lebensbeschreibung Descartes' aufgefordert hatte, welche von Baillet damals bearbeitet wurde. Da Leibniz während seines Pariser Aufenthalts Zugang zu den von Descartes hinterlassenen Papieren gehabt, so betheiligte er sich auch daran (vergl. Bd. II. S.526). Er konnte aber, entfernt von seinen Manuscripten, seine Mittheilungen nur aus dem Gedächtniß entwerfen. Er hat diese Mittheilungen später überarbeitet und sie unter der Aufschrift: Notata quaedam circa vitam et doctrinam Cartesii, Christian Thomasius überlassen, der sie in der 1693 erschienenen Historia sapientiae et stultitiae, collecta a Ch. Thomasio, Tom. II. p.113-122 veröffentlichte.

Die folgenden Remarques sur l'abrégé de la vie de Mons. des Cartes stehen mit dem Vorhergehenden in genauem Zusammenhang. Leibniz entwarf sie, als er von der Schrift: La Vie de Mr. Des-Cartes. Contenant l'histoire de sa Philosophie et de ses autres Ouvrages. Et aussi ce qui luy est arrivé de plus remarquable pendant le cours de sa vie. Réduite en abregé. Paris M.DC.XCIII., die von Baillet verfaßt ist, Kenntniß nahm.8 Sie sind in den nächsten Jahren nach dem Erscheinen dieser Schrift entstanden. -

Im Jahre 1689 erschien Huet's, des Bischofs von Avranches, Censura philosophiae Cartesianae. Diese Schrift machte in Frankreich wie in Deutschland ungemeines Aufsehen, insofern darin behauptet wurde, daß die Cartesianische Philosophie der rechtgläubigen Kirche schädlich und höchst gefährlich sei. Sie veranlaßte von Seiten der Cartesianer in Deutschland eine Anzahl Entgegnungsschriften, unter welchen Schweling's, Professors in Bremen, Exercitationes Cathedraticae, 1690 erschienen, hervorzuheben sind. Leibniz erhielt diese Schrift von einem Bremenser Freunde zugeschickt (siehe Leibnizens Brief an Nicaise, Hanover 5 de Juin 1692, Bd. II. S.534f.). Was sich in Betreff derselben unter den Leibnizischen Manuscripten vorfindet, ist in VIII. vereinigt: zuerst ein Brief an den befreundeten Mann, von welchem Leibniz Schweling's Schrift zugeschickt erhielt, und zweitens ein kurzer Aufsatz, vielleicht zum Behuf eines Abdrucks in einem Journal geschrieben. In beiden ergeht sich Leibniz namentlich über die von den Cartesianern so hoch gepriesene Methode Descartes'.

In Frankreich hatte Silvain Regis die Vertheidigung Descartes' gegen Huet's Angriff übernommen (Reponse au Livre qui a pour titre: Petri Danielis Huetii, Episcopi Suessionensis designati, Censura Philosophiae Cartesianae, servant d'eclaircissement à toutes les parties de la philosophie et sur tout à la Metaphysique). Ebenso zeigte er sich als Vorkämpfer unter den Cartesianern, als der Brief Leibnizens an Nicaise, datirt Hanover ce 15 Fevrier 1697 (siehe Bd. II. S.562ff.), worin der Angriff gegen Descartes erneuert wurde, in Frankreich von Hand zu Hand ging. Regis' Vertheidigung unter der Aufschrift: Reflexions sur une lettre de Monsieur Leibnits écrite à Monsieur l'Abbé Nicaise, dans laquelle il pretend faire voir que les principes de la Philosophie de Monsieur Descartes renferment des consequences contraires à la Religion et à la pieté (Journal des Savans, Juin 1697) und die Entgegnung Leibnizens: Reponse aux reflexions qui se trouvent dans le 23 Journal des sçavans de cette année touchant les consequences de quelques endroits de la philosophie de des Cartes (Journal des Savans, Aout 1697) sind unter IX. zusammengestellt. -

Die bisher erwähnten Angriffe Leibnizens gegen Descartes und seine Philosophie waren mehr auf bestimmte einzelne Punkte gerichtet, so wie eben Gelegenheit sich dazu bot. In seinem Nachlaß ist aber noch ein ziemlich umfangreiches Manuscript vorhanden, in welchem er die Grundlagen der Cartesianischen Philosophie umständlich und im Zusammenhang einer Critik unterzieht. Es sind dies die Bemerkungen, die Leibniz zu den beiden ersten Theilen eines der Hauptwerke Descartes', der Principia philosophiae, niedergeschrieben hat. Der erste dieser beiden Theile wiederholt nach dem eigenen Geständniß Descartes' die Gedanken der Meditationes de prima philosophia in einer strengeren Form, der zweite handelt von der Natur der Körper und den Gesetzen der Bewegung. In einem Briefe an Johann Bernoulli, datirt Guelfebyti 15. April. 1697, bezeichnet Leibniz diese Bemerkungen als aus dem Stegreif entworfen (extemporaneae), so wie sie sich ihm durch die Lectüre der Principia ergaben, in einem späteren Briefe, an denselben, datirt Hannoverae 15. Junii 1697, charakterisirt er sie weiter hinsichtlich ihrer Fassung als für jeden Leser allgemein verständlich (scriptae sunt ad captum Lectorum qui profundiora non attingunt). Vornehmlich verfolgte Leibniz dabei das Ziel, die Cartesianer zu überzeugen, daß er nicht ohne Grund mit Descartes nicht übereinstimme (ut Cartesiani quidam, quibus communicandae erant, viderent me non sine ratione ab ipso dissentire). Deshalb schlägt er auch in einem Briefe an Basnage de Beauval, den Herausgeber der Histoire des ouvrages des sçavans, als Titel vor: Statera Cartesianismi seu Principiorum Cartesii Pars Generalis cum animadversionibus G.G. L. suo loco subjectis, ut post tantas lites tandem aliquando intelligi possit, quantum doctrinae Cartesianae sit tribuendum. Es sollte demnach durch diese Schrift allem Streit ein Ende gemacht werden. - Leibniz sandte im Jahre 1692 das Manuscript an den erwähnten Basnage de Beauval, einmal um durch ihn in Holland einen Verleger zu gewinnen,9 sodann aber auch damit derselbe das Manuscript, ehe es gedruckt würde, an namhafte Gelehrte, wie Hugens van Zulichem, Bayle, mittheilen sollte, deren Bemerkungen Leibniz noch zu berücksichtigen gedachte.10 Das Manuscript blieb bis 1697 in den Händen Basnage's; in diesem Jahre sandte er es auf Leibnizens Veranlassung an Johann Bernoulli, der damals Professor der Mathematik und Physik in Gröningen war. Dieser hat, wie aus seiner Correspondenz mit Leibniz während des Jahres 1697 hervorgeht, einiges darin, namentlich in Betreff der Bewegungsgesetze, verbessert. Noch in demselben Jahre erhielt es Leibniz wieder zurück. Die Veröffentlichung der Schrift unterblieb, da Leibniz, wie aus der auf dem Manuscript befindlichen Notiz zu schließen, eine Umarbeitung desselben beabsichtigte; er hat bemerkt: »Connexion zu machen daß alles gleichsam vor sich auch außer dem autore, darüber man notas macht, an einander henge.« Vielleicht ist das folgende Bruchstück unter XI. ein Anfang dieser Umarbeitung. Die in Rede stehende Schrift ist unter der von Leibniz durchgängig gebrauchten Bezeichnung: Animadversiones in partem generalem Principiorum Cartesianorum, in X. abgedruckt.11 -

Von den folgenden XII. und XIII. enthält ein jedes eine Kritik des Cartesianischen Beweises vom Dasein Gottes. Das erste, das bisher nicht veröffentlicht war, ist in Folge einer in Histoire des Ouvrages des Savans, Mai 1700, enthaltenen Besprechung der Schrift: Judicium de argumento Cartesii pro existentia Dei petito ab ejus idea, Basiliae 1699, entstanden; das zweite ist als ein Bruchstück eines Schreibens an den Herausgeber der Memoires pour l'histoire des sciences et des beaux arts (meistens Journal de Trévoux genannt) in denselben vom Jahre 1701 abgedruckt. Da das Original des letzteren nicht aufgefunden werden konnte, so ist das hier Gegebene aus den genannten Memoires etc. entnommen.

{Extrait d’une lettre de Mr. de Leibnitz sur ce qu’il y a dans les Memoires de Janvier et de Fevrier touchant la generation de la glace, et touchant la Demonstrations Cartesienne de l’existence de Dieu par le R. P. l’amy Benedictine, in: Memoires pour l'histoire des sciences et des beaux arts (Septemb. – Octobre 1701), Trévoux 1701, p. 200-207.

http://books.google.de/books?id=qIoDAAAAMAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false^

bzw. : Réflexions de Mr. de Leibniz sur la génération de la glace et sur la démonstration Cartésienne de l’Existence de Dieu par le R.P. Lami Bénédictin. 200-207

  1. 1In seinem Briefe an den Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg (Paris 26. Martii 1673) hebt Leibniz die Bekanntschaft mit Arnauld ganz besonders hervor. Siehe Bd. I. S.65.
  2. 2Siehe Tschirnhaus' Brief an Leibniz aus dem Jahre 1678.
  3. 3Daß dies mit I. bezeichnete Schreiben, das weder Aufschrift noch Ort noch Datum hat, an Molanus gerichtet, ist wohl unzweifelhaft. Es bildet die Einleitung zu dem Briefwechsel mit Eckhard und Molanus (Bd. I. S.207ff.).
  4. 4Dieser Philipp - so unterzeichnet er sich selbst in seinen Briefen; Leibniz nennt ihn wiederholt Philippi - war ein Sachse und wahrscheinlich ein Leipziger; in einem seiner Briefe erwähnt er seinen Bruder in Leipzig wohnhaft. Er studirte von 1652 an in Leipzig; nachher führte er als Hofmeister und Secretär in einer vornehmen Familie ein sehr bewegtes Leben. Von 1675 bis 1682 hielt er sich in chursächsischen Diensten als Rath und Resident in Hamburg auf. Im Jahre 1682 bekam er die Stelle eines churfürstlichen Bibliothekars zu Dresden, starb aber bald nachher. - Philipp war ein gewandter und gefälliger Geschäftsmann; dabei hatte er, wie aus seinen Briefen hervorgeht, ein sehr eingehendes Interesse für die Wissenschaften, namentlich für die Naturwissenschaften. Er war unter anderm Correspondent des Danziger Astronomen Hewelcke (Hevelius), auch stellte er zu Hamburg regelmäßige Barometerbeobachtungen an, die er Leibniz zusandte. Mit den berühmten Männern, die Hamburg besuchten, kam er in Berührung. - Die Correspondenz Philipp's mit Leibniz findet sich zum Theil in der Leipziger Stadtbibliothek, zum Theil in der Königlichen Bibliothek zu Hannover. Aus der ersten hat W. Wachsmuth 26 Leibnizische Briefe herausgegeben (Briefe von Leibniz an Christian Philipp herausgegeben von W. Wachsmuth, Leipzig 1846); die hier abgedruckten fehlen darin, sie sind in Hannover vorhanden.
  5. 5Von einer solchen philosophischen Unterhaltung erzählt Feder in seiner Schrift: Sophie Churfürstin von Hannover, Hannover 1810, S.75. 76: An der Tafel zu Herrnhausen kam die Unterredung mit dem sehr geschätzten ersten Geistlichen des Landes auf die Unsterblichkeit der Seele und die philosophischen Beweisgründe für dieselbe. Des Abts (Molanus) Beweise fanden der Churfürst und die Churfürstin nicht befriedigend, man vereinigte sich dahin, daß Leibniz entscheiden solle. Molanus meldet ihm dieses mit der Wendung, er rechne auf seine Freundschaft, daß er ihn nicht im Stich lassen werde. In der Sache selbst, antwortet Leibniz, habe er recht; aber seine Cartesianischen Beweise könne er nicht in Schutz nehmen. In einem muntern Tone schreibt darauf Leibniz einen langen Brief an die Churfürstin, und setzt die aus seinen philosophischen Schriften bekannten Gründe für die Einfachheit und Unsterblichkeit der Seele auseinander.
  6. 6Das Original hat nur die Ueberschrift MADAME; Ort und Datum fehlen. Ohne Zweifel ist das Schreiben an die Herzogin Sophie gerichtet. - Dies Schreiben, sowie die beiden folgenden hat Foucher de Careil in Nouvelles lettres et opuscules de Leibniz inédits, Paris 1857, herausgegeben. Daß dieser Abdruck mehrfach der Sorgfalt entbehrt, zeigt eine Vergleichung mit dem hier folgenden.
  7. 7Das Schreiben IV. hat nur die Aufschrift Monsieur, Ort und Datum fehlen; dem folgenden V. mangelt auch die Aufschrift.
  8. 8Durch die Güte des Herrn Oberbibliothekars Dr. von Heinemann in Wolfenbüttel habe ich ein Exemplar dieser Schrift zur Einsicht erhalten.
  9. 9Aus Leibnizens Briefwechsel mit Basnage ergiebt sich, daß die Bemühungen des letzteren in Betreff eines Verlegers vergeblich waren; er schreibt an Leibniz: J'ai sondé nos libraires là dessus, et je ne leur ai trouvé nulle disposition pour en entreprendre l'edition. Dès //IV272// qu'on leur parle d'un livre latin, ils font cent difficultez. Ebenso blieb Leibnizens Absicht, seine Bemerkungen als Anhang zur zweiten Ausgabe von Huet's Censura philosophiae Cartesianae hinzuzufügen, unausgeführt.
  10. 10In Betreff Hugens' vergl. die Correspondenz zwischen Leibniz und Hugens aus dem Jahre 1692. In Betreff Bayle's enthält die Correspondenz mit Basnage Folgendes: Voici la reponse de M. Bayle au memoire que je lui ai communiqué de vostre part. »La difficulté que M. de Leibnits a formée contre le systême des Carthesiens sur l'essence de la matiere, m'a paru belle, et digne d'un esprit aussi fort et aussi mathematicien que le sien. Je ne suis pourtant point convaincu qu'il faille mettre l'essence du corps dans un attribut different de l'etendue: parceque tout autre attribut me paroistroit aussi mal aisé à accorder avec la resistance que font les corps les uns aux autres, que l'etendue; car je ne sçaurois comprendre qu'un corps puisse avoir en lui mesme et comme une chose interne ou intrinseque, un effort pour demeurer en un certain lieu. Cet effort doit donc proceder d'un principe exterieur au corps, et cela etant, un corps qui n'aura pour son essence que l'etendue pourra resister tant qu'on voudra, pourvûque ce principe externe agisse en lui. Mais comme le dessein que j'avois de faire soutenir une these de natura corporis, sera d'autant plûtost executé, que le memoire de M. Leibnits m'excite à examiner cette question, j'espere lui envoier mes petites reflexions sur sa difficulté, plus amples et plus etendues dans quelque temps.«
  11. 11Von diesen Animadversiones ist im Leibnizischen Nachlaß vorhanden 1. das Original //IV273// 2. eine Abschrift, die Leibniz verbessert hat. Später hat Leibniz zu 1. Zusätze und Verbesserungen gemacht. Von diesem verbesserten Original ist nach Leibnizens Tode 3. eine Abschrift genommen worden, die aber sehr fehlerhaft ist und worin vieles fehlt. Nach dem Manuscript 3. hat Guhrauer die Animadversiones abdrucken lassen (Leibnitz's Animadversiones ad Cartesii principia philosophiae aus einer noch ungedruckten Handschrift mitgetheilt von Dr. G.E. Guhrauer, Bonn 1844). Die Abschrift 2. hat, wahrscheinlich ehe sie von Leibniz verbessert war, Johann Bernoulli vorgelegen, wie aus einer Randbemerkung desselben hervorgeht. In dem hier folgenden Abdruck der Animadversiones ist die von Leibniz verbesserte Reinschrift 2. zu Grunde gelegt; die später im Original 1. gemachten Aenderungen und Zusätze sind dabei berücksichtigt.