Series II Band 1 · No. 82.
OTTO VON GUERICKE AN LEIBNIZ
Magdeburg, 13. Oktober 1671. [77.83.]
Wohl Edler Vest: und hochgelerter etc.
Insonders großg: hochge. Herr etc.
Desselben vom 5 Octob. habe den 12 ejusd. styl. nov. zu rächt empfangen, bedancke mich
gehabter mühewaltung und geneigter willfahrung, werde nicht unterlassen der beyden desiderirten
Exemplar halber, beym Buchführer, wan gelibets Gott daß werck zu seiner perfectikeitt
kommen, schuldige beforderung zu thuende. Die begehrte kugel ist hirbey, auch von denen
Pflaumfederlein ein stücke oder 3, darauß zu sehen wie sie sein müssen, dan keile müssen
sie nicht haben. Notandum: Die Fädern ie freier sie von einander gespärrt bleiben, und ie
weniger sie zusammen gedrucktt werden, ie besser es ist. So ist auch hirbey auß meinem
buche geschriben der gebrauch, wan künfftig daß buch herauß kommen, so wird auch daß
außgeschriben Caput ein bessern verstand erlangen, Interim kan sich mein hochg. Herr der
kugel gebrauchen.
Dabey dan zu wissen daß sie nicht alle zeitt gleich starck auch nicht allen leütten gleich operiret, dan denen die weiche und feüchte hende haben (gleich wie mein Sohn ChurBr. Resident im NiederSachs. kreisse) operiret sie wenig, hergegen mihr, der ich in mechanischen vorfallenden sachen bißweilen selbst waß angreyffe und daher härter hende habe, wohl. Sie thutt nichts, muß zuvor mitt der hand an einen orth (als etwa im aequatore) wohl begriffen und dan mitt ein par schlagen perstringiret werden, wan sie dan uber leichte sachen alß etwa hoppen blätter oder waß es ist gehalten wird, so zeügtt sies an sich; Dann kan man auch die Operation mitt der fäder vornehmmen und den 3 articulen des Capitis nachgehen.
Wen man nicht rächtt weiß wie sie zu atteriren und zu perstringiren, so nehmme man sie
bey abends inß finstere vor, da wird man sehen uff welche art sie am besten schein von sich
gibtt, also will sie auch tractiret sein; allein an keinen feüchten orth, noch auch nicht mitt
feüchten und feisten henden. Wie die kugel zu praepariren, ist zward mitt wenigen in dem
beygelegten Cap. XV. zu befinden, weil es aber mein hg. Herr umbständlicher begehrett,
will ihm mitt nächsten, gerne damitt willfahren, ietzo hatts nicht sein können, weniger uff daß
andere zu antworten, weil die Post uff Leiptzigk zu mittage wegk gehett, und solte ich nuhn biß
uber 8 tage warten, so möchten die Franckfurter kauffleütte so die kugel mitt nehmmen sollen,
hinwegk sein. Und wolle also vor daß mahl mein h. ge. Herr mich entschuldigett halten,
denselben inzwischen der göttl. obhutt treülichst ergebe und allezeit verbleibe
Meines hochgeerten Herrns bereitwilligster Diener
Magdeburgk den 13 Octob. sty. no. Ao 1671. Otto von Guericke
P. S. Von neüen fellett hier nichts vor, als daß wegen Collen die sachen ietzo waß besser lauffen, darin ich dan sehe daß auch Ihr Churf. Gn. zu Mayntz hochst rühmligst beflissen seind. Franckreich dürffte wohl gegen den winter wieder die Hollender waß vornehmmen.