Briefwechsel zwischen Leibniz, Eckhard und Molanus
1677-1679.
Sehr bald nach Leibnizens Ankunft in Hannover wurde Gerhard Molanus, Abt zu Loccum, früher Professor der Theologie und Mathematik an der Universität Helmstedt, vom Herzog Johann Friedrich zum Präsidenten des Consistoriums in Hannover ernannt. Er war mit dem Professor der Mathematik in Rinteln, Arnold Eckhard, einem eifrigen Cartesianer, befreundet; dieser erhielt durch ihn Kunde, daß in Hannover ein Mann wohne, der den Cartesius in der Mathematik und Philosophie überträfe. So hörte Eckhard zum ersten Mal Leibnizens Namen.
Begierig den so viel gerühmten Gelehrten persönlich kennen zu lernen, kam Eckhard nach Hannover. Leibniz hatte in Gegenwart des Bruders von Molanus mehrere Unterredungen mit ihm, über deren Inhalt ein genauer Bericht von ihm selbst aufgezeichnet vorliegt. Es wird darin erzählt, daß das Gespräch sehr bald auf die Metaphysik des Cartesius kam, gegen die Leibniz manche Ausstellungen zu machen hatte, namentlich über den Beweis vom Dasein Gottes.
Diese Discussion hatte den vorliegenden Briefwechsel zur Folge, der Leibniz Veranlassung gab, den Cartesianischen Beweis über das Dasein Gottes gründlich zu prüfen. Er fand, daß Cartesius den strengen Beweis für das Dasein Gottes zwar begonnen, aber nicht zu Ende geführt hatte, denn er zeigte nur, daß Gott existirt, falls die Möglichkeit der Existenz angenommen wird, was bereits lange vorher von den Scholastikern geleistet worden war.
Auf Verwendung von Molanus und Leibniz erhielt Eckhard 1678 die Pfarrstelle zu Jeinsen in der Nähe von Hannover. Dadurch kam er höchst wahrscheinlich - Bestimmtes darüber liegt nicht vor - in öftere persönliche Berührung mit beiden. Um Eckhard's Stärke in der Mathematik und die von ihm viel gepriesene Cartesianische Methode auf die Probe zu stellen, verabredeten beide, sich mit ihm einen Scherz zu erlauben: sie legten ihm ein Problem aus der unbestimmten Analysis zur Lösung vor, das ein Edelmann bei Hofe gestellt hätte, das in Wahrheit aber von Leibniz herrührte. Die Discussion über die Möglichkeit der allgemeinen Lösung dieses Problems bildet den Inhalt der Correspondenz im Jahre 1679.
Die Correspondenz zwischen Leibniz, Eckhard und Molanus findet sich zuerst gedruckt in der zu Nürnberg 1761 erschienenen Sylloge nova epistolarum. Der ungenannte Herausgeber erhielt wahrscheinlich die Abschriften aus der Bibliothek zu Hannover, wo damals mit den Leibnizischen Papieren auf eine höchst gewissenlose Weise umgegangen wurde; so läßt es sich vielleicht erklären, daß der französische Brief unter N. 16 als von Eckhard an Leibniz gerichtet aufgeführt wird, während das vorhandene Manuscript deutsch ist und offenbar das Bruchstück eines Briefes enthält, den Leibniz an den Freiherrn, von Tschirnhaus schrieb. Die Briefe N. 8 und N. 11, die nur die persönlichen Verhältnisse Eckhard's betreffen, sind hier weggelassen.
Sämmtliche hier abgedruckte Briefe sind mit den vorhandenen Originalen von neuem verglichen worden.